19.05.2018


Als Kind am Galerieholländer gespielt


Die Sengwarderin Kerstin Tiemann ist freiwillige Müllerin und Eignerin der Sengwarder Mühle. Sie erwartet zum Mühlentag am Pfingstmontag wieder viele Gäste.


Im  Gebälk ihrer Mühle kennt sich Kerstin Tiemann bestens aus.    WZ-Foto:     Lübbe

Im Gebälk ihrer Mühle kennt sich Kerstin Tiemann bestens aus. WZ-Foto: Lübbe

 

Von Stephan Giesers

Sengwarden - Hektik im alten Gebälk der Sengwarder Mühle: Erbsensuppe, Matjesbrot, Kaffee, Tee und selbstgebackenen Kuchen soll es geben und vor der Tür eine kleine Oldtimer-Ausstellung. Im Mittelpunkt steht aber der Galerieholländer Baujahr 1862/63.

Sengwardens Wahrzeichen.

Wenige Tage vor Pfingstmontag ist diese Betriebsamkeit in der Sengwarder Mühle völlig normal. Dann laufen die letzten Vorbereitungen für den Deutschen Mühlentag. Kerstin Tiemann kann das aber alles längst nicht mehr aus der Ruhe bringen. Dafür hat sie schon zu viele Mühlentage erlebt. Die 52-Jährige steht draußen auf der Galerie, die langen Haare zum Zopf gebunden. Ihr Blick schweift verträumt über die Weiden, als würde sie die Aussicht zum ersten Mal erleben. An diesem Nachmittag weht eine steife Brise. So hat es Tiemann gerne und möchte wohl am liebsten die weiß getünchten Flügel der Mühle im Wind drehen lassen.

Das Zeug dazu hätte sie. Tiemann ist seit acht Jahren die freiwillige Müllerin und inzwischen Eignerin der Sengwarder Mühle. Ihr Onkel, der ehemalige Müllermeister Ewald Hinrichs, hat ihr den Galerieholländer nach seinem Tod im vergangenen Jahr vermacht. Über den Heimatverein Sengwarden engagiert sich Katrin Tiemann weiterhin für den Erhalt des historischen Bauwerks. Für Tiemann und ihre ganze Familie eine Herzensangelegenheit. „Ich bin an der Mühle praktisch groß geworden, habe hier schon als Kind viel gespielt“, sagt sie. Mit ihren Eltern Bernhard und Ingrid Tiemann lebte sie am anderen Ende des Dorfes, besuchte den Onkel aber regelmäßig. Damals war die Mühle noch in Betrieb. „Die Männer sind damals aber nicht auf die Idee gekommen, Mädchen mit in die Mühle zu nehmen“, erinnert sich die 52-Jährge und lacht. Die Technik im Gebälk sei eben Männersache gewesen.

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Jeder Euro aus dem Erlös von Veranstaltungen wie dem Mühlentag fließt in die Mühle, die zudem von Mai bis Oktober jeden Mittwoch von 14 bis 17 Uhr geöffnet hat. Dann führt Kerstin Tiemann Gäste gerne durch das Gebälk und erklärt, wie die Mühle funktioniert. Außerdem gibt es Waffeln mit heißen Kirschen und Sahne. Wer das Mühlen-Team des Heimatvereins ehrenamtlich verstärken will, kann an diesem Tag ebenfalls vorbeikommen. „Wir können immer helfende Hände gebrauchen.“

Die Sengwarder Mühle hat am Deutschen Mühlentag, 21. Mai, von 11 bis 17 Uhr geöffnet. Während dieser Zeit sind Besichtigungen möglich.