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Digital

22.08.2017


Große Klasse 2.0: Das iPad Pro 12,9 Zoll


Apple hat seinem großen iPad Pro mehr Leistung und einen besseren Bildschirm spendiert. Wir haben uns das 12,9-Zoll-Gerät genauer angesehen.


Viel Fläche: Das große iPad Pro 12,9 Zoll in seiner aktuellen Fassung ist 30,5 mal 22 Zentimeter groß. WZ-Foto: Kirchner

Viel Fläche: Das große iPad Pro 12,9 Zoll in seiner aktuellen Fassung ist 30,5 mal 22 Zentimeter groß. WZ-Foto: Kirchner

Von Malte Kirchner

Wilhelmshaven - Das Entwickeln von Hardware ist komplizierter als Software. So lautet eine verbreitete Annahme. Bei Apple scheint der Fall anders gelagert zu sein. Die Hardware scheint den Kaliforniern seit einigen Jahren leichter zu fallen, während bei der Software eher noch mal nachgebessert wird.

Bei der Apple Watch war das so: Käufer der ersten Stunde staunten nicht schlecht, welches Potenzial Softwareversion 3.0 plötzlich auf ihren Uhren freisetzte. Und beim iPad wird es mit der Freigabe der nächsten Betriebssystemversion iOS 11 bald ähnlich sein.

Dies vorausgeschickt, muss das iPad Pro 12,9 Zoll in seiner zweiten Version zweigeteilt betrachtet werden. Einerseits in seinem Auslieferungszustand mit der aktuellen Software, iOS 10. Und zum anderen mit der bald kommenden neuen Software, iOS 11, die es schon als Betaversion gibt. Wir haben beides getestet.

Alleine vom Äußeren her hat sich das große iPad Pro kaum verändert. Während die darunter liegende Klasse von 9,7 auf 10,5 Zoll Bildschirmdiagonale aufgewachsen ist, hat es Apple beim großen Bruder beim alten Format belassen. Gut so, denn das große iPad Pro mit seinen 2732 mal 2048 Pixeln Auflösung ist riesig. Unter dem Stichpunkt Mobilität ist es schon hart an der Grenze. Der Rucksack zum Verstauen muss geräumig sein. Dafür passt viel auf diesen Bildschirm. Ganze DIN A4-Dokumente stellen kein Problem da. Und Netflix oder Amazon Prime schauen ist damit einfach nur großartig. Vor allem im geschäftlichen Umfeld wird das große iPad Pro geschätzt und ist entsprechend auch häufiger als bei Privatnutzern zu sehen.

Nach dem großen Aha-Effekt bei der Erstvorstellung vor zwei Jahren, ist die zweite Generation eher eine Weiterentwicklung. Der schnellere Prozessor (A10X Fusion, plus 30 Prozent Leistung lt. Apple), der noch rasantere Grafikchip (plus 40 Prozent Leistung) und bis zu 512 Gigabyte Speicher geben Pro-Anwendern das, was sie benötigen: Leistungsvermögen. Sichtbar werden die Verbesserungen vor allem am Bildschirm. Dank ProMotion-Technik mit 120 Hertz flirrt nichts mehr beim Scrollen, sondern der Bildschirminhalt gleitet butterweich unter der Glasscheibe, als wenn einer oben an einem Stück bedrucktem Papier ziehen würde. Und dank des P3-Farbraums, gepaart mit 600 Nits Helligkeit, sehen Fotos so aus, als hätte sie jemand eiligst auf eine Glasplatte drucken lassen. Trotz aller Verbesserungen bleibt es bei zehn Stunden Akkulaufzeit.

Und dann ist da natürlich das Pro-Zubehör, das Apple weiterhin gegen Aufpreis anbietet: Den Apple Pencil (109 Euro) als vielseitiger Eingabestift und das Smart Keyboard (189 Euro), das Frontabdeckung und Tastatur gleichermaßen ist. Mehr noch als beim kleineren Modell lässt sich damit gut arbeiten. Einziger deutlicher Unterschied zum Notebook ist, dass sich der Winkel des Displays zur Tastatur nicht verändern lässt. Und dass die Konstruktion, wenn man sie etwa auf den Knien abstellt, wackeliger auf Beinen ist, als etwa ein MacBook. Dafür ist das Ensemble aber deutlich dünner und leichter. Das große iPad Pro alleine bringt nur 677 Gramm auf die Waage und ist knapp sieben Millimeter dünn.

Was nützt einem aber die beste Hardware, wenn die Software zurückbleibt? Auf seinem Weg, eine ernsthafte Alternative zum Notebook und stationären Computer anzubieten, hat Apple mit iOS 11 einige Einschränkungen aus dem Weg geräumt, die diesem Anspruch bislang nicht gerecht wurden.

Eine davon ist das Multitasking. Zwar gab es bislang schon in iOS Möglichkeiten, Apps parallel zu bedienen. In iOS 11 ist das aber weitreichender und flexibler möglich. Daten lassen sich außerdem nun einfach von A nach B per Drag und Drop verschieben. Das ging vorher genauso wenig wie der zentrale Zugriff auf die jeweiligen Datencontainer der Apps, der künftig mit der Dateien-App eingerichtet wird. Das Dock als Steuerzentrale kann in iOS 11 jetzt jederzeit von unten herbeigewischt werden. All das - so werden Desktopanwender einwenden - ist auf dem Mac oder PC schon lange Standard. Trotz der Ergänzungen hat Apple aber Einfachheit und vor allem Schnelligkeit des mobilen Betriebssystems erhalten.

Wer sich also heute das neue iPad kauft und in voraussichtlich einem Monat auf den Update-Button klickt, wird sein Gerät kaum noch wiedererkennen. Vieles in iOS 11 steht auch für ältere Modellgenerationen zur Verfügung. Aber entwickelt wurde das große Update natürlich vor allem mit Blick auf die neue, aktuelle Generation.

Für wen lohnt sich der Kauf des großen iPad Pro der zweiten Generation? Wer ein iPad eher im Büro- oder häuslichen Bereich nutzen möchte und die Vorzüge eines großen Bildschirms schätzt, sollte einen Blick auf das iPad Pro werfen. Als kompletter Ersatz für das Notebook taugt das iPad Pro aber auch mit iOS 11 immer noch nur bedingt: Es hängt davon ab, wie der Anwender sein Gerät nutzt und welche Software er benötigt. Es gibt immer noch Anwendungsfälle, die sich auf einem iPad nicht darstellen lassen. Aber genauso gibt es immer mehr Dinge, die sich jetzt hierauf erledigen lassen. Besitzer des Vorgängermodells werden wohl eher die Finger von einem weiteren Neukauf lassen, sofern ihnen nicht eine der Verbesserungen im Alltag dringend fehlt.

Preislich ist das iPad Pro weiterhin in einer Region unterwegs, in der leistungsstarke Notebooks - vor allem aus dem PC-Bereich - angesiedelt sind. Viele Interessenten dürften eher an ein „entweder oder“ denken als ein „sowohl als auch“. Im Marktvergleich der Tablets lässt sich sagen: Apples große Klasse bleibt große Klasse. Auch und erst recht in Version 2.0.