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05.02.2013


Wofür brauche ich eigentlich Java?


Java hat ein massives Sicherheitsproblem, war in den vergangenen Wochen zu lesen. Für viele Anwender ist es ein Rätsel, warum die Software überhaupt installiert ist. Ein Erklärungsversuch.


Von Malte Kirchner

Wilhelmshaven - Drei Tage lang warnte das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) vor einer kritischen Schwachstelle in der aktuellen Java-Laufzeitumgebung (Version 7 Update 10) - dann war der Spuk nach einem Update auch schon wieder vorbei.

Viele Anwender blieben jedoch angesichts solch drastischer Warnungen ratlos zurück. Wo und warum ist Java eigentlich auf dem Computer installiert?

 

Dass sich die einst von Sun Microsystems und mittlerweile von Oracle weiterentwickelte Software so dezent im Hintergrund hält, hat damit zu tun, dass Java selbst keine aktive Rolle auf dem Computer spielt, sondern eher eine Art Hilfskonstruktion darstellt. Java, das ist zunächst einmal eine Programmiersprache, mit der wie mit anderen Sprachen ausführbare Programme für Computer erzeugt werden.

 

Der Unterschied und der gewaltige Vorteil zu anderen Programmiersprachen ist jedoch, dass Java plattformunabhängig agiert, folglich also auf PCs, Macs, Linux-Computer sowie vielen Smartphones und Tablets funktioniert, ohne dass der Programmierer sein Programm speziell dafür umprogrammieren muss.

 

Möglich wird dies, weil Java eine so genannte virtuelle Maschine auf Computern einrichtet. Diese „Trägersoftware“ wurde von Sun/Oracle entwickelt und schafft eine Schnittstelle zu den Eigenheiten des jeweiligen Systems. Java-Programme werden innerhalb dieser virtuellen Maschine ausgeführt. Das heißt, der Entwickler muss sich keinen Kopf über irgendwelche Eigenheiten machen, sondern kann auf immer gleiche Befehle zurückgreifen, die erst in der virtuellen Maschine in spezifische Befehle umgesetzt werden.

 

Das Prinzip hat in der Theorie einen weiteren Vorteil, nämlich eine höhere Sicherheit. Die virtuelle Maschine kommuniziert nur auf vorbestimmten Wegen mit dem eigentlichen Computersystem und ist ansonsten isoliert. Dabei wird vom so genannten Sandboxing gesprochen. In diesem Sandkasten können Java-Programme nicht ohne Weiteres mit der Außenwelt kommunizieren.

 

Das macht die Plattform ideal für Web-Anwendungen, da dem Nutzer das Risiko genommen wird, dass er schadhafte Programme auf seinen Computer lädt.

Eigentlich, wohlgemerkt. Denn die jüngste Warnung ist eine von mehreren in der letzten Zeit - Java präsentierte sich ziemlich durchlässig. Apple und der Browserhersteller Mozilla haben Java deshalb erstmal verbannt und die Plug-Ins in ihren Browsern abgestellt.

 

Doch benötigt der Anwender tatsächlich Java? Diese Frage hängt vom individuellen Nutzungsverhalten ab. Pikanterweise setzen gerade die deutschen Behörden bei ihren Internetapplikationen oft auf Java, so etwa bei der elektronischen Steuererklärung. Wer Java abschaltet, erhält folglich keinen Zugriff mehr auf diese Programme.

 

Im großen und ganzen ist Java jedoch im Browserbereich eher auf dem Rückzug. Grund dafür ist wie bei der Multimediaplattform Flash die fehlende Unterstützung durch viele mobile Geräte. Tablets und Smartphones verzichten oft auf Java und Flash, weil diese Programme viel Speicher, Energie und Geschwindigkeit kosten.

 

Stattdessen geht der Trend zu Web-Apps, die serverbasiert Programme bereitstellen, ohne dass der Anwender auf seinem Gerät etwas ausführt. Der Vorteil ist die hohe Sicherheit - eine verschlüsselte Verbindung vorausgesetzt. Andererseits ist eine ständige Internetverbindung nötig. Dies ist bei Java nicht unbedingt erforderlich. Die Programmiersprache kommt noch aus Zeiten, als es unüblich war, permanent online zu sein.

 

Ein klares Ja oder Nein zu Java ist deshalb schwer auszusprechen. Anders als bei Flash ist Java jedoch nicht alleine von Webanwendungen abhängig, sondern ist auch die Programmiersprache, die für Android-Apps und bei Serverapplikationen gerne und viel genutzt wird.