Wilhelmshaven

04.10.2007


Berührungsängste nehmen


Von: WD

Der Tag der Deutschen Einheit ist bundesweit seit zehn Jahren auch Tag der offenen Moschee. Viele Wilhelmshavener nutzten die Chance, sich in der Moschee umzusehen.

von Meike Hicken

Wilhelmshaven Es riecht lecker in der Cafeteria der Türkisch Islamischen Gemeinde Wilhelmshaven.

Auf mehreren Tischen haben die Mitglieder allerhand typisches türkisches Essen aufgebaut. Die Frauen, die die Gäste bedienen, dürfen davon allerdings nicht kosten. Im Moment ist Ramadan, gläubige Moslems fasten dann vor Sonnenuntergang.

Anlässlich des Tags der offenen Moschee hatte die Türkisch Islamische Gemeinde gestern viele Gäste. Die Frauen aus der Gemeinde brachten türkische Leckereien mit, der Erlös des Verkaufs wurde für einen neuen Waschraum zurückgelegt. Die Besucher konnten sich in der Moschee umsehen, Fragen stellen und für einen Moment am Leben der Gläubigen teilnehmen.

Es gibt viele Vorurteile über in Deutschland lebende Moslems. „Wir wollen zeigen, wie es ist wirklich ist“, erklärt Havva Topcu. Sie ist Mitglied der Gemeinde und hat bei der Organisation des Tags der offenen Tür mitgearbeitet. Sie zeigt, dass der islamische Glaube und die Integration in die deutsche Gesellschaft gut miteinander vereinbar sind.

Das Kopftuch, die Unterdrückung der Frau, die gewollte Abgrenzung zur deutschen Kultur, alles Vorurteile gegenüber der islamischen Religion und den in Deutschland lebenden Moslems. Topcu beweist, dass all das nichts mit der Religion zu tun hat. „Nur weil ich Moslem bin, trage ich doch im Alltag kein Kopftuch“, sagt sie lachend und macht deutlich, dass hier jeder tun und lassen kann, was er für richtig hält.

Die Gemeinde hat momentan 200 Mitglieder. In Wilhelmshaven und Umgebung gibt es aber viel mehr Moslems. Auch sie sollen mit dem Tag der offenen Tür angesprochen werden. „Viele wissen gar nicht, dass es hier eine Moschee gibt“, so Topcu. Dabei würde sich die Gemeinde über mehr Mitglieder freuen.

Auf dem Gelände der Moschee wurde schon viel getan, die Räumlichkeiten wurden weiter ausgebaut, alles ein wenig schöner gestaltet. „Es gibt aber noch viel Arbeit“, betont Topcu.

Der Erlös des gestrigen Tages soll helfen, getrennte Waschräume zu bauen und auch die Räume im oberen Teil des Hauses weiter auszubauen.

Bei einem Rundgang durch die Moschee konnten sich auch die Menschen ein Bild von der Religion machen, die im Alltag nichts damit zu tun haben. Sie konnten Fragen stellen, bekamen Informationen und lernten so, dass Berührungsängste völlig unbegründet sind. Dabei sollte niemand zum Islam bekehrt werden, es ging vielmehr darum, auch den Deutschen zu vermitteln, dass der Glaube keine Abgrenzung bedeutet.

 

Das Bild zum Bericht finden Sie in der aktuellen Ausgabe der WZ