Wilhelmshaven

10.06.2010


Von „Streifenhörnchen“ und „Seeziegen“


Das Theaterprojekt im Marinestützpunkt wirbt sympathisch um Verständnis für Staatsbürger in Uniform. Eine ernsthafte Debatte über Krieg und Frieden leistet es nicht.


Angelika Dirks verabschiedet ihren Sohn, gespielt vom Gefreiten Dankwart Northe. WZ-Foto: Gabriel-Jürgens

Von Martin Wein

 

Wilhelmshaven - Der Bus ist eben vom Stadttheater links in die Peterstraße abgebogen – schon rollt er zu auf graue Schiffe. 4000 Soldaten leisten ihren Dienst in Wilhelmshaven, erfahren die Theater-Besucher wenig später bei der Fahrt durch den Marinestützpunkt.

Dazu kämen 3800 zivile Beschäftigte. Mindestens jede dritte Familie in der Stadt hat einen „Schlicksoldaten“ unter ihren Lieben – und die Landesbühne Niedersachsen Nord macht eben die im gleichnamigen Theaterprojekt in dieser Woche zu Protagonisten.

 

In einer ausgeräumten Werkzeughalle auf dem Stützpunkt-Gelände haben die Theaterleute sich eingerichtet mit schwarzen Podesten und Scheinwerferbrücken.  In abgehackten Tonfolgen klimpert „Time to say goodbye“ aus den Lautsprechern, während die Laienspieler ihre Seesäcke packen. Wahlschein, Erziehungsvollmacht, Testament müssen unterschrieben, das Motorrad muss abgemeldet werden.  Privatsphäre und eigene Befindlichkeiten bleiben an Land. Wenn die Schießübung daneben geht, wünschen sich einige vor Scham außenbords. Und manche Ehefrau bleibt verbittert am Kai zurück und fragt sich: „Warum mache ich dieses ganze Theater überhaupt mit?“ Eine Frage, die man Angelika Dirks stellen könnte. Die 46-Jährige Jadestädterin spielt in „Schlicksoldaten“ ihr eigenes Leben.

 

Ihr Mann ist Kommandant der Fregatte „Niedersachsen“. „Schlicksoldaten schafft hoffentlich mehr Verständnis und Akzeptanz von Seiten der Zivilbevölkerung, die sonst keinen Bezug zur Marine hat“, schreibt sie im großformatigen Programmheft zu dem Stück. Und trifft damit den Nagel auf den Kopf: Regisseur Christof Meckel hat mit der einstündigen Szenenfolge eine Art Selbstvergewisserungstheater geschaffen. Aktive, Ehemalige und Angehörige können sich damit versichern, dass sie das Richtige tun oder getan haben.

 

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