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Wilhelmshaven

10.11.2008


Im Großmast ist sein Lieblingsplatz


Als Verbindungsmann setzte Rudi Brinkmann den „Untergang der Pamir“ mit in Szene. Mit zwei Pausen schafft der Pensionär es noch hoch in den Großmast.   Von Martin Wein


newsimport

Rudi Brinkmann auf dem Oberdeck der „Sedov“: Schon elf Jahre hat er als Verbindungsmann an Bord der Viermastbark (kleines Bild unten) verbracht. FOTOS:WEIN

Wilhelmshaven - Ja, ja das war ein Bild für die Götter, als Rudi Brinkmann die flatternden Hühner im Notausgang des Kadettendecks einsperrte. „Im Film sollten die Viecher verspeist werden – und ihr Käfig war der Tisch. Da mussten die ja irgendwo hin“, sagt Brinkmann, den auf der „Sedov“ jeder nur Rudi nennt.

Ein altes Arbeitsschiff wie die russische Viermastbark „Sedov“, 1921 in Kiel als „Magdalene Vinnen II“ vom Stapel gelaufen, ist voller Geschichten, und Rudi Brinkmann ist jemand, der sie zu erzählen weiß. Erklären wir also am Bontekai, wo der größte Segler der Welt bis Sonntagabend liegt, den Wachkadetten etwas von „Newspaper“, und sagen als das nicht hilft „Gazetta“, kraxeln dann die wackelige Gangway empor und treffen den alten Seebären auf dem sonnigen Oberdeck.

69 Jahre alt ist Rudi Brinkmann heute und mit 120 000 Seemeilen hat er im den letzten Jahrzehnt auf dem Schulschiff mehr Fahrt gemacht als in 35 Jahren Dienst bei der Marine. Dort ging er 1992 als Kapitänleutnant in der Kaserne Ebkeriege in Ruhestand. „Ich war Feuerwerker und durfte deshalb nie auf der ,Gorch Fock' segeln“, erklärt er.

Um diese Scharte auszuwetzen, heuerte Rudi Im Jahr darauf als Trainee auf der „Sedov“ an. Und weil er immerhin wusste, wie ein Schiff funktioniert, hingen die anderen zahlenden Mitsegler schnell wie Kletten an seinem Ölzeug. „Die fanden ja nicht mal die Dusche alleine.“ Schon bald fragte der Kapitän, ob Rudi nicht als Verbindungsmann an Bord bleiben wolle. So sind aus zwei Wochen elf Jahre geworden, mit längeren Pausen.

Auf dem Schiff bewohnt das Schiffsfaktotum eine winzige Kammer mit Stockbett, Schreibnische und Waschbecken. Doch beim Rundgang hinunter zur Bäckerei, zum Fitnessraum und Bordkino, zur Ankerwinde und zum Hilfssteuer unter Deck wird schnell klar, dass er hier überall zuhause ist. Seit Juni war er nun an Bord, war mit 50 Mann Stammbesatzung, 100 Kadetten und einigen Mitseglern in Skandinavien, auf Madeira und zuletzt in Amsterdam.

Schönwettersegeln mag er eigentlich nicht: „Erst bei Windstärke 7 bis 8 wacht der Kahn richtig auf“, sagt er.


Mehr lesen Sie heute in der „Wilhelmshavener Zeitung“.






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