Wilhelmshaven

01.08.2008


„Wir können jederzeit wieder abhauen“


Wohnmobilisten sind keine Camper – darauf legen sie gesteigerten Wert. In Wilhelmshaven und Friesland gibt es für sie viele Alternativen zum klassischen Campingplatz.   Von Kristin Kleyhauer


newsimport

Wilhelm Reitz und seine Schwiegermutter Rosemarie Schmitz fühlen sich pudelwohl auf dem Stellplatz auf der Schleuseninsel. Morgens lassen sie sich erst einmal einen Kaffee im Freien schmecken.

Sabine Fietz aus Duisburg hat mit ihrem Mobil Station am Sander See gemacht. Hier kostet es nichts, und eine Dusche sowie Toiletten gibt es am See.

Wilhelmshaven/Friesland - Camper richten sich zu Beginn der Saison häuslich ein. Sie haben ihre feste Pazelle auf einem Campingplatz und die wird für den Sommer fein hergerichtet und zum zweiten Zuhause der Camper.

Und dann gibt es da noch die anderen – die Wohnmobilisten.

Sie würden einen Teufel tun und sich auf einem Campingplatz „einmotten“. Sie wollen frei sein, unabhängig. „Wir können jederzeit wieder abhauen, wenn es uns nicht gefällt“, bringen es Heinrich und Edith Eng auf den Punkt. „Wir bieten den Leuten immer wieder einen Platz auf dem Campingplatz an. Die wollen da aber patout nicht stehen“, weiß auch Uwe Noatzsch. Er ist Abteilungsleiter „Camping und Strand“ bei der Wangerland Touristik und kennt sich mit den Gästen aus.

Sie müssen aber auch gar nicht auf den Campingplatz. In Wilhelmshaven und Friesland gibt es zahlreiche schöne Alternativen. Einige sind gar kostenlos, der teuerste ist in Schortens, liegt allerdings auch auf dem Gelände des Campingplatzes.

Wilhelmshaven zeigt sich als sehr wohnmobil-freundliche Stadt. Hier gibt es gleich fünf Stellplätze für die Urlauber auf Rädern. Dr. Rainer Kamp hat sich für den Fliegerdeich entschieden. Er kommt aus Meppen. Sein Urteil zu diesem Stellplatz fällt gemischt aus. „Die frische Luft und die Aussicht hier sind einfach toll. Aber außer der Mülleimer, in denen man etwas entsorgen kann, bekommt man hier nichts geboten“, sagt er.

 

Einige hundert Meter Luftlinie entfernt sieht das schon ganz anders aus. Auf der Schleuseninsel ist im vergangenen Jahr ein Stellplatz entstanden, der es den Wohnmobilisten ermöglicht, ruhig und in geschützter Lage ihren Urlaub zu verbringen. Entsorgungsstation und Stromanschlüsse sind direkt vor Ort – alles prima. Wilhelms Reitz aus der Eifel war schon sieben Mal hier. Genau wie er sagt auch seine Schwiegermutter Rosemarie Schmitz: „Es ist superschön hier.“ Etwa 15 Autominuten entfernt, macht sich Sabine Fietz eine schöne Zeit. Direkt am Sander See können vier Wohnmobile stehen – umsonst. An dem Badesee selbst gibt es ein Häuschen mit Dusche und WC, das dürfen die Gäste benutzen. In Sande ist Platz für 22 Wohnmobile an insgesamt sieben verschiedenen Orten. Und nirgends werden die Gäste zur Kasse gebeten. In Jever ist das anders. Um auf dem Stellplatz am Sportforum Station machen zu können, müssen die Gäste Münzen in der nahe gelegenen Tankstelle kaufen. Nach drei Tagen ist dann die Abreise angesagt, länger darf keiner bleiben.

 

Das scheint streng kontrolliert zu werden. „Ich hab noch ‘ne halbe Stunde“, sagt nämlich Peter Schütz zum unbekannten Besuch, bevor der sich überhaupt vorstellen kann. Er ist mit seiner Lebensgefährtin Ute Franke den größten Teil des Jahres mit dem Wohnmobil unterwegs. „Man ist absolut unabhängig. Das finden wir toll“, erklären die beiden ihre Art zu leben. Die acht Euro, die sie in Jever bezahlen müssen, sind für sie allerdings oberste Schmerzgrenze. Zehn Euro und mehr würden sie nicht ausgeben. Wer im Wangerland direkt an der Küste campieren möchte, muss allerdings in den sauren Apfel beißen. Zehn Euro pro Tag plus Kurtaxe, unter dem geht nichts. Was man dafür geboten bekommt, ist allerdings traumhaft. Direkt an der Nordsee stehen die Wohnmobile auf dem neuen Platz an der Ostdüne in Hooksiel und auch am Yachthafen in Horumersiel. Hier gibt es zudem noch zweimal am Tag netten Besuch von Dennis Martsfeld. Er ist Mitarbeiter der Wangerland Touristik und Kontrolleur auf dem Stellplatz. Er bittet aber die Gäste nicht nur täglich zur Kasse, sondern verwöhnt sie auch. Wer möchte, bekommt von ihm am Morgen frische Brötchen gebracht. Und auch für die Sorgen und Nöte der Gäste hat der junge Mann immer ein offenes Ohr. „Manchmal muss man auch mal einen Streit schlichten. Im Großen und Ganzen sind Wohnmobilisten aber sehr genügsame Gäste, die fast nie meckern“, spricht er ein großes Lob aus. Gerade ist er beim Wagen von Rosel Ernst und Helmut Kirchner aus Wiesbaden angekommen.

 

Sie essen Mittag und kommen nebenbei mit dem Wangerländer ins Gespräch. „Raten sie mal, wie alt ich bin“, fragt der Rentner. Diese unkonventionelle Art, Urlaub zu machen, scheint fit zu halten. Er wird demnächst 94 Jahre alt.


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