Wilhelmshaven

03.06.2008


Krankenhäuser in den roten Zahlen



Wilhelmshaven/lr - „Die Krankenhausfinanzierung ist eine außerordentlich komplexe Angelegenheit“, stellte Professor Jörg Brost, Geschäftsführer des Reinhard-Nieter-Krankenhauses (RNK), gleich zu Beginn seines Vortrags über die kritische Finanzlage der Krankenhäuser fest.

Dieser Feststellung konnten die mehr als dreißig Zuhörerinnen des Deutschen Frauenringes im Vortragssaal des RNK nicht nur zustimmen; sie mussten auch zur Kenntnis nehmen, wie katastrophal sich das im Jahr 1993 eingeführte gedeckelte Budget in der Krankenhausfinanzierung vor allem unter Berücksichtigung der aktuellen Tarifabschlüsse auswirken wird. Die Kosten steigen und steigen, die Einkünfte nicht – die Krankenhäuser erhalten für ihre Leistungen nicht den entsprechenden Ausgleich, sondern eine festgesetzte Summe, die von Jahr zu Jahr nur geringfügig erhöht wird und mit der dann alle Kostensteigerungen wie Löhne, Energie und Material aufgefangen werden müssen. Problematisch – so Brost – sei vor allem die Lage auf dem Personalsektor: Immer mehr Patienten stünde immer weniger Pflegepersonal gegenüber. So strebt die Zahl der im RNK behandelten Patienten im Vergleich zu 1993 bis heute einem Bundestrend folgend einer Verdoppelung entgegen – eine beachtliche Bilanz, meinte Brost, aber parallel dazu mussten in dieser Zeit in Deutschland mehr als 100000 Arbeitsplätze im Krankenhauswesen abgebaut werden, machen doch die Personalkosten ca. 70 Prozent des verfügbaren Budgets aus. Der Bedarf an Gesundheitsleistungen werde auch in Zukunft weiterhin steigen, ist sich Brost sicher, nur könnten diese Leistungen bei Fortbestand der Budgetierung nicht mehr bezahlt werden. Dabei seien alle Einsparpotenziale seit Langem aufgezehrt. Rationalisierung werde inzwischen durch Rationierung abgelöst. Mehr als 50 Prozent der deutschen Krankenhäuser stecke in den roten Zahlen, oft ohne jede Rücklage. Schließungen seien vorprogrammiert und politisch wohl auch gewollt. Auch wenn die Versorgungssicherheit Wilhelmshavens und des Umlands mit einem leistungsfähigen Krankenhaus wie dem RNK mit seinen 21 Kliniken und Abteilungen und einer ausgezeichneten personellen und apparativen Ausstattung im Moment noch kein Thema ist, seien Politik und Gesetzgeber jetzt dringend aufgerufen, die finanzielle Misere der Krankenhäuser durch die Aufhebung der Budgetdeckelung zu beenden und Finanzierungsmodelle zu diskutieren, die sich an der Realität orientierten. Allen Betroffenen seien weitere Rationierungen und Qualitätseinbußen nicht mehr zuzumuten. Die bundesweite Protestarbeit werde weitergehen.