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21.03.2012


Worauf es in der Post-PC-Ära ankommt


Apple hat am Mittwoch sein neues iPad vorgestellt. Es ist die Speerspitze der Post-PC-Ära, die Apple ausgerufen hat.


Heimlicher Star während der iPad-Präsentation: Die neue App „iPhoto“ für iPad und iPhone. FOTO: Apple

Von Malte Kirchner

 

San Francisco - Das iPad ist in den Augen von Apple-Chef Tim Cook nicht einfach nur ein Gerät. Es ist die Speerspitze einer Bewegung: Der Mittelpunkt der Post-PC-Ära, wie er am vergangenen Mittwoch in San Francisco anhand von Verkaufszahlen noch einmal verdeutlichte.

 

Anfangs belächelt, stellt sich spätestens nach dem riesigen Verkaufserfolg des iPad 2 die Frage, ob Apple-Mitbegründer Steve Jobs mit seiner Vision nicht doch recht hatte, dass der stationäre Computer künftig keine große Rolle mehr spielen wird.

 

Zwar verkauft auch Apple weiterhin seinen iMac. Doch die besten Verkaufszahlen bescheren den Kaliforniern ihre mobilen Produkte, die MacBooks, das iPhone und natürlich das iPad – zum Nachteil der über Jahrzehnte erfolgreichen PC-Hersteller. Nach der Vorstellung des dritten iPads, das einfach wieder nur „iPad“ heißt, wird sich zeigen, ob der Motor in der Entwicklung der Post-PC-Ära künftig weiterhin die Gerätefunktionen sein werden.

 

Bei der Hardware hat Apple das derzeit Menschenmögliche schon ausgereizt: Gehäusedicke (0,94 cm), Gewicht (652 g), Batterielaufzeit (bis zu zehn Stunden) und Speicher (bis zu 64 Gigabyte) haben entweder schon Optimalwerte erreicht oder können zumindest derzeit technisch kaum gesteigert werden.

 

Zu den nennenswerten technischen Verbesserungen an der Hardware des neuen iPads gehört zum einen das Retina-Display, mit dem es Apple bei einer Auflösung von 2048 mal 1536 Pixeln geschafft hat, dass das menschliche Auge keine sichtbaren Pixel mehr wahrnimmt. Dieses Kunststück ist zwar bereits beim iPhone 4 gelungen, doch der Größenunterschied des Bildschirms, der beim iPad 9,7 Zoll groß ist, ließ eine einfache Übertragung der Technik nicht zu.

 

Es brauchte allein schon eines weitaus leistungsfähigeren Prozessors, der mit dem A5X bei vierfacher Grafikleistung und gleicher Akkulaufzeit gefunden wurde. Die andere herausstechende Neuerung ist die Unterstützung des neuen Mobilfunkstandards Long Term Evolution (LTE, 4G). Apple ist es nach eigenen Angaben im Gegensatz zu anderen Herstellern gelungen, dies ohne erhebliche Akkulaufzeit-Einbußen hinzubekommen.

 

Für deutsche Nutzer bleibt aber ein großer Wermutstropfen: Die hiesigen LTE-Frequenzen werden von dem Gerät nicht unterstützt. In Bezug auf die Entwicklung der Post-PC-Ära viel bedeutsamer dürften jedoch Softwarefragen sein. Wer auf seinen altgedienten stationären PC verzichten soll, muss zumindest das Gefühl haben, dass ihm nichts fehlt.

 

Mehr noch: Er sollte den Eindruck haben, dass er sich verbessert. Damit dies gelingt, nimmt Apple die Zügel bei der Softwareentwicklung zusehends selbst in die Hand. Neuester Spross der Apple-App-Familie ist iPhoto, jenes vom Mac bekannte und leicht zu bedienende Fotobearbeitungsprogramm. Zusammen mit dem neuen Display ist iPhoto natürlich ein schöner so genannter „Showcase“ – ein Beispiel für die Leistungsfähigkeit der neuen Komponenten.

 

Doch es geht um mehr: Wer sich die 3,99 Euro teure App herunterlädt, gewinnt den Eindruck, dass die Bearbeitung von Fotos noch weitaus intuitiver und einfacher ist, als auf dem Mac. Problematische Stellen werden einfach mit Hilfe des Fingers auf dem Touchscreen wegradiert, Effekte werden aus einem Fächer von Optionen ausgewählt – die Bedienung ist wirklich kinderleicht.

 

Speicherplatzproblemen wirkt Apple, wie bei vielen anderen Anwendungen, mit der Integration der Datenwolke iCloud entgegen. Das Ganze hat natürlich seine Grenzen: Weder Gerätespeicher noch iCloud wiegen an Speicherplatz auf, was heutige Rechner mit Terabyte-Festplatten ermöglichen. Für die Massenabfertigung von Bildern ist die Software zudem auch nicht ausgerichtet.

 

Die Post-PC-Ära ist deshalb vor allem für Gelegenheitsnutzer interessant, die keine Lust haben, sich über komplexe Dateisysteme oder die Bedienung von Programmen den Kopf zu zerbrechen. Für alle professionelleren Nutzer ist das iPad hingegen ein Zweitgerät, das auch als Ergänzung große Qualitäten aufweist.

 

Doch wo möchte Apple in Zukunft mit der Geräteentwicklung hinsteuern? Diese spannende Frage stellten sich viele Experten im Anschluss an die Präsentation. Die Geräte verkaufen sich weiterhin vor allem der neuen Funktionen wegen. Dort, wo neue Softwarefunktionen nicht integriert werden, obwohl das Gerät sie technisch durchaus leisten könnte, machen sich die Hersteller keine Freunde.

 

Apple machte diese Erfahrung mit der Sprachassistentin Siri, die bislang exklusiv dem iPhone 4S vorbehalten ist, obwohl auch das Vorgängermodell iPhone 4 in der Lage wäre, die Funktion anzubieten. Das neue iPad – bei dessen Namen auf eine Versionsnummer oder sonstige Bezeichnungen verzichtet wird – ist ab sofort in den Apple-Geschäften erhältlich. Man darf gespannt sein, wie sich das neue Retina-Display im Alltag schlägt.