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31.01.2012


Samsung Galaxy Nexus: Das Flaggschiff nimmt Kurs auf


Das Galaxy Nexus ist eines der besten Smartphones am Markt. Wir haben das unter anderem von der Telekom vermarktete Gerät unter die Lupe genommen.


Das Samsung Galaxy Nexus ist Flaggschiff einer neuen Android-Generation. FOTO: Hersteller

Von Malte Kirchner

 

Wilhelmshaven/Friesland - Das Samsung Galaxy Nexus war am Anfang ein einsames Flaggschiff ohne Verband. Erst allmählich kommen immer mehr Nutzer von Android-Geräten in den Genuss der neuen Software-Version 4.

0 (Codename „Ice Cream Sandwich“).

 

Die „Flotte“, die Googles Streben nach der Vorherrschaft im mobilen Markt weiter befördern soll, sammelt sich. Mittlerweile ist das Galaxy Nexus am Markt vielerorts zu bekommen. Unser Testgerät wurde uns von der Deutschen Telekom bereitgestellt, die das Gerät ab 99,95 Euro mit dem „Complete mobil L“- Tarif vermarktet (Preis ohne Vertrag: 579,95 Euro).


Hardware & Bildschirm

Mit seinem 1,2 Ghz-Dual-Core-Prozessor und einem Gigabyte Arbeitsspeicher wartet das 138 Gramm schwere Gerät nicht mit außergewöhnlicher Hardware auf. Umso deutlicher wird der Leistungsgewinn durch die Software, weil das Galaxy Nexus in jeder Beziehung flüssiger läuft, als frühere Android-Handys. Seine 16 Gigabyte Speicher sind nicht aufrüstbar.Zu seinen Vorzügen zählt fraglos das hochauflösende Super AMOLED Display, das in punkto Farbkraft und Schärfe auf Augenhöhe mit dem Retina-Display von Apple ist. Ärgerlich war bei unserem Testgerät nur die automatische Helligkeitseinstellung, die durchweg zu dunkle Werte wählte. Manuell eingestellt, gab es hingegen kein Probleme.

 

Design

Das kratzfeste 4,65-Zoll-Display macht das Galaxy Nexus zu einem der größeren Smartphones. Es spielt in etwa in der Liga des HTC Sensation XL. Seine Größe macht es allerdings etwas unhandlich, zumindest wenn der Nutzer das Gerät nur mit einer Hand bedienen möchte. Dann droht das Nexus nämlich leicht mal aus der Hand zu kippen, einfach, weil es so groß ist. Und auch die Verstaumöglichkeiten sind bei dieser Größe eingeschränkt. Positiv ist hingegen die geringe Tiefe. Auf der Rückseite hat Samsung auf eine dünne Kunststoffabdeckung gesetzt, die jedoch von außen gar nicht danach aussieht und Edleres vermuten lässt. In punkto Design lässt sich das Gerät auf die Formel „Schlicht, aber schön“ reduzieren.

 

Batterie

Der austauschbare Akku des Galaxy Nexus ist ein verlässlicher Begleiter. Bei intensiver Nutzung hält das Gerät einen Tag spielend durch. Im Normalbetrieb kam das Smartphone erst nach zwei bis drei Tagen in einen Bereich, bei dem man das Gerät sicherheitshalber wieder auflädt – hier waren aber durchaus noch Reserven vorhanden.


Kamera

Nachdem Apple mit dem iPhone 4S seinen Vorsprung bei Handykameras weiter ausgebaut hat, wäre eigentlich zu erwarten, dass auch Android-Geräte zum Frontalangriff starten. Mitnichten: Das Galaxy Nexus überholt die iPhone-Kamera nicht, es hat aber zumindest auch keine deutlich schlechtere, was schon einmal ein gewisser Fortschritt ist. Die Bilder in einer Auflösung von fünf Megapixeln sind recht gut. Ein LED-Blitz kann zur Aufhellung verwendet werden. Sehr gut sind auch die 1080p-Videoaufnahmen. Etliche Live-Videofilter sorgten kurzweilig für ein großes Vergnügen, wenn zum Beispiel gefilmte Personen große Münder und Augen bekommen. Vor allem wird hierbei zur Schau getragen, was das Gerät zu leisten vermag: Das Nexus kann in Echtzeit Gesichtspartien erkennen und verfremden.


Software

Um alle Finessen der neuen Version von Android zu beleuchten, bedarf es eines eigenen Artikels. Der erste auffallende Unterschied ist, dass die vier Geräteknöpfe, die bei früheren Geräten Standard waren, durch drei auf dem Bildschirm angezeigte Buttons ersetzt wurden, die sich beim Drehen des Gerätes ebenfalls drehen. Google ist von dem etwas verwirrenden Vier-Knöpfe-Prinzip ein Stück weit abgerückt.


Diese Änderung ist aber exemplarisch für viele andere, die sich in derselben Größenordnung bewegen und spürbar zu einer Verbesserung beitragen. So können die kleinen Helferlein (Widgets) auf dem Homescreen jetzt noch dynamischer angelegt werden. Im Detail verbessert wurde auch das Benachrichtigungscenter, dessen Einträge per Wischgeste aus dem Weg geräumt werden können.

 

Als praktisch erweisen sich die Gesichtserkennung zum Aufschließen des Geräts und die Statistik- und Kontrollfunktionen für den Datenverkehr. Es ist möglich, sich selbst eine Grenze zu verordnen, so dass nach einem bestimmten Datenverbrauch entweder eine Warnung oder gleich eine Sperre einsetzt. Besonders im Ausland, wo die Datenkontingente klein sind, ist das sicherlich sehr hilfreich.

 

Nett ist auch das Widget, mit dem sich WLAN und Bluetooth ohne Umweg über die Einstellungen mit einem Klick ausschalten lassen.Ungeahnte Potenziale schlummern noch in den Near Field Communication-Funktionen (NFC), die neue Wege zum Austausch von Daten zwischen Geräten oder gar zum Bezahlen in Geschäften ermöglichen. Der größte spürbare Fortschritt von Android 4.0 ist jedoch vor allem das ruckelfreie Erlebnis.


Fazit

Was ist tatsächlich revolutionär an Android 4.0, lautet die Frage, die sich der Tester unweigerlich stellt. Die Antwort darauf ist komplex: Aus Sicht des Nutzers ist Android 4.0 erstmal nur eine Evolutionsstufe. Die Software wurde in vielen kleinen Details verbessert, die in der Summe einen deutlichen Fortschritt vermitteln. Doch heruntergebrochen auf die Funktionen gibt es bei zumindest am Beispiel des Galaxy Nexus nichts, was einen alle anderen Telefone in die Ecke werfen lässt.

 

Die Revolution bei Android 4.0 liegt in der Frage, wer künftig das Sagen hat. Bislang überließ es Google den Herstellern, aus der Android-Softwarebasis etwas eigenes zu erstellen, was in eine Fragmentierung des Marktes mündete. Die Geräte waren am Ende so unterschiedlich, dass Apps trotz gleicher Android-Version auf verschiedenen Geräten nicht funktionierten.

 

Und hier setzt der Wandel in Android 4.0 ein: Das vorgeschriebene Holo-Design markiert den Anfang einer Entwicklung, bei der Google den Hardwareherstellern strikte Vorgaben macht, um die Einheitlichkeit von Android zu wahren. Im Ergebnis werden Nutzer künftig weniger individuelle Akzente bei den Handys erleben. Doch das ist ein kleiner Preis, gemessen an den Vorteilen einer wirklichen gemeinsamen Basis.

 

Beispielhaft für diesen Wandel ist die Anzeige beim Einschalten des Gerätes: Hier erscheint nicht etwa der Samsung-Schriftzug, sondern das Logo von Google. Das Flaggschiff Galaxy Nexus, das derzeit zu den besten Smartphones am Markt zählt, ist aus dem gleichen Material gebaut wie die „Flotte“ von Android 4.0-Handys, die sich zusehends auf den Weg macht. Apple muss sich warm anziehen.