Friesland

18.09.2010


Wahrzeichen zu verkaufen


Manch einer erkennt beim Hohenkirchener eine Ähnlichkeit zum Rathaus in Wilhelmshaven. Kein Wunder: Der Architekt ist derselbe.


Birgit Häge, älteste Tochter in der Erbengemeinschaft von Franz Tuhy, auf der Aussichtsplattform. Foto: Päschel

Von Gordon Päschel

 

Hohenkirchen - Fast jeder Ort hat sein Wahrzeichen. In Hohenkirchen ist das nicht anders. Hier im Zentrum der Gemeinde Wangerland ragt ein markanter Turm auf – erbaut mit massivem Bockhorner Klinker und zu dem Zweck, die Menschen in den umliegenden Dörfern mit Frischwasser zu versorgen.

Seit seiner Inbetriebnahme 1934 hat der Wasserturm zwar nichts von seiner Ausstrahlung verloren, seine einstige Funktion aber schon Jahrzehnte durch modernere Wasserwerke eingebüßt. Jetzt steht er zum Verkauf. Eine Erbengemeinschaft aus vier Töchtern des bekannten Hohenkirchener Bildjournalisten Franz Tuhy sucht Interessenten für das geschichtsträchtige Bauwerk.

 

„Wir würden uns freuen, wenn der Turm wieder mit Leben gefüllt wird“, sagt Edith Tuhy und ihre Schwester Birgitt Häge ergänzt: „Wir wissen überhaupt nichts mit ihm anzufangen.“ 1982 hatte ihr Vater das Gebäude, das seit den 1970er Jahren nicht mehr gebraucht wurde, vom Wasserverband erworben. Im Wangerland erzählt man sich bis heute, dass der Turm für eine D-Mark seinen Besitzer wechselte. Das sei jedoch ein Gerücht, stellt Häge richtig. Franz Tuhy zeigte im Wasserturm bis zu seinem Tod 1992 unter anderem Fotos. Seine Frau vermietete das brachliegende Gelände samt Wahrzeichen später an einen Motorrad-Club.

 

Wer sich dem Turm heute nähert, ahnt nicht, welchen Stellenwert der Wasserturm einst hatte. Hunderten Arbeitern verhalf das Prestigeprojekt der Nationalsozialisten Anfang der 1930er Jahre zu Lohn und Brot. In weniger als einem halben Jahr zogen sie den Klinkerbau nach Plänen des bekannten Bauherrn Fritz Höger (siehe Infokasten) hoch. Auf einer Fläche von neun mal neun Metern wuchs das Wahrzeichen 30 Meter in die Höhe. Im Innenraum, der auf drei Etagen unterteilt ist, stand der Speicher, der bis zu 180 Kubikmeter Wasser aufnehmen konnte. Darunter fand in den ersten Nachkriegsjahren mitunter der Turnunterricht statt, und auf der Aussichtsplattform auf dem Dach lernten Generationen von Hohenkirchenern Heimatkunde. Die 146 Stufen, die über mehrere Treppen hinauf führen, werden mittlerweile fast nur noch von Technikern genutzt. Zwei Mobilfunkanbieter haben hier ihre Sendemasten aufgestellt. Ende des Jahres laufen die Verträge allerdings aus. Dann werden die Antennen abgebaut und nichts verstellt mehr den Blick auf die Felder des Wangerlands und die Nordseeinsel Wangerooge.

 

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