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Wilhelmshaven - 17.04.2010


Silberhochzeit mit der Dialyse


Helmut-Jürgen Fulber muss dreimal in der Woche für fünf Stunden zur Dialyse. WZ-Foto: Lübbe

Helmut-Jürgen Fulber muss seit 25 Jahren zur Dialyse. Zweimal bekam der gebürtige Berliner Spendernieren transplantiert, die der Körper jedoch abstieß.


Von Stephan Giesers

 

Wilhelmshaven - Montagmorgen, kurz nach 9 Uhr im Dialysezentrum der Patienten-Heimversorgung: Es ist still. Nur ein leises, beinahe beruhigendes Plätschern ist zu hören, als würde ein riesiges Aquarium im Raum stehen. Es riecht nach Desinfektionsmittel und die Morgensonne scheint durch die Fenster.

An den Wänden hängen Fernseher. Der Ton ist ausgeschaltet, dafür gibt es Kopfhörer für jeden der 22 Patienten.

 

Viele kennen sich hier seit Jahren. Einen kennen sie alle: Helmut-Jürgen Fulber. Er ist 70 Jahre alt, gebürtiger Berliner, lebt seit 1970 in Wilhelmshaven. Seine Beine verschwinden unter einer warmen Wolldecke und der Kopf liegt weich auf einem Kissen – bedruckt mit Teddybärmotiv. Schläuche verbinden Fulber und seine Maschine, ohne die der Körper vergiften würde. Beim gesunden Menschen übernehmen die Nieren diese Aufgabe. Blut pulsiert durch die dünnen Röhrchen, die mit Nadeln in Fulbers Oberarm verschwinden und zum Dialysator führen.

 

Der Gang zur Dialyse: lange Routine für den Frührentner. Seit Montag sind es 25 Jahre. Um 6.45 Uhr kommt das Taxi und bringt ihn ins Dialysezentrum an der Friedrich-Paffrath-Straße. Gegen 12 Uhr fährt er wieder nach Hause. Jeden Montag, jeden Mittwoch, jeden Freitag. Ein befremdliches Jubiläum ist es nur für Außenstehende. Auf dem Tisch neben seinem Liegestuhl steht ein Präsentkorb, den der 70-Jährige bekommen hat: mit einer Flasche Rotwein, Keksen und Schokolade. Für ihn ist es eine Art zweiter Geburtstag. Fulber ist verheiratet, hat einen Sohn. Und er ist ein Kämpfer, das sieht man sofort. Er lächelt freundlich, redet offen über seine Krankheit. „Bei mir sind es Schrumpfnieren“, sagt er ruhig. „Auf dem Ultraschallbild sehen sie heute wie kleine Perlen aus.“

 

Es ist inzwischen kurz vor 10 Uhr. Der Dialysator bestimmt den Tagesablauf. Die Zeit läuft rückwärts. „2-19“ steht auf einer Digitalanzeige: „Zwei Stunden, 19 Minuten“, erklärt Fulber. So lange muss er noch an der Maschine verbringen, durch die in fünf Stunden zwischen 80 und 90 Liter Blut fließen. So werden Giftstoffe herausgefiltert. Gereinigt läuft das Blut zurück in seine Vene. Die Maschine entzieht dem Körper zudem drei bis vier Liter Wasser. Weil die Nieren nicht arbeiten, wird kein Urin gebildet. Ohne die Dialyse würde es sich im Körper verteilen.

 

Mehr lesen Sie heute in der "Wilhelmshavener Zeitung".



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