Wilhelmshaven

20.08.2019


100 Tage nach der Wahl: Es bleibt mehr Freude als Frust


Rekordverdächtige 15 Bewerber rangen um das Amt des ersten Bürgers in der Stadt. Die meisten der Unterlegenen haben inzwischen eine plausible Begründung für ihre Niederlage gefunden.


Waren die Wähler angesichts der hohen Zahl von Bewerbern überfordert? Ende April jedenfalls zeigten sich noch alle 15 OB-Kandidaten bei der WZ-Wahldebatte in der Stadthalle zuversichtlich. Vordere Reihe: (von links) Jaroslaf Poljak (AfD), Jacqueline Bakir Brader, Marcus Jurk, Petra Ducci-Eiklenborg, Elke Gozdzik, Holger Raddatz (alles Einzelbewerber), dahinter Frank Uwe Walpurgis (UWG), Stefan Starzonek (GfW), Peter Freudenberg, Carsten Feist (beides Einzelbewerber), Andreas Tönjes (Die Partei), Dr. Niels Weller (SPD), Ralf Seßelberg (CDU), Stefan Becker (WBV) und Michael von den Berg (Grüne/Bündnis 90). Foto: WZ-Bilddienst

Waren die Wähler angesichts der hohen Zahl von Bewerbern überfordert? Ende April jedenfalls zeigten sich noch alle 15 OB-Kandidaten bei der WZ-Wahldebatte in der Stadthalle zuversichtlich. Vordere Reihe: (von links) Jaroslaf Poljak (AfD), Jacqueline Bakir Brader, Marcus Jurk, Petra Ducci-Eiklenborg, Elke Gozdzik, Holger Raddatz (alles Einzelbewerber), dahinter Frank Uwe Walpurgis (UWG), Stefan Starzonek (GfW), Peter Freudenberg, Carsten Feist (beides Einzelbewerber), Andreas Tönjes (Die Partei), Dr. Niels Weller (SPD), Ralf Seßelberg (CDU), Stefan Becker (WBV) und Michael von den Berg (Grüne/Bündnis 90). Foto: WZ-Bilddienst

 

Von Gerd Abeldt
Wilhelmshaven - Es war eine Jahrhundertwahl. Am 12. Mai dieses Jahres, heute vor 100 Tagen, warben insgesamt 15 Kandidaten nach einem intensiven Wahlkampf um die Gunst der Wilhelmshavener Bürger - alle wollten sie als künftiger Oberbürgermeister die Geschicke der Stadt in ihre Hände nehmen.

Das Ergebnis ist bekannt: In einer Stichwahl 14 Tage später setzte sich der Einzelbewerber Carsten Feist (53,6 %) gegen den SPD-Kandidaten Niels Weller (46,4 %) durch. Der derzeitige Referatsleiter im Rathaus wird am 1. November Amtsinhaber Andreas Wagner als Oberbürgermeister ablösen. Wie ist es den Kandidaten seither ergangen? Wie bewerten sie den Wahlgang und ihr Ergebnis mit einem gewissen Abstand? Was planen sie für ihre (politische) Zukunft? Auf die entsprechende Anfrage der WZ meldeten sich viele der Bewerber, einige - aus welchen Gründen auch immer - nicht.

Der Wahlsieger Carsten Feist sieht sich nach dem Erholungsurlaub nach der Wahl gut für seine künftige Aufgabe gerüstet. Er spüre viel Unterstützung innerhalb und außerhalb der Verwaltung und arbeite derzeit intensiv an Inhalten, Strukturen und Strategien für die Zeit nach dem 1. November. Bis zum 25. Mai habe er das Gefühl gehabt: „Die Stadt ist elektrisiert vom Wahlkampf.“ Nach dem Wahlsieg habe ihn ein Gefühl der Dankbarkeit erfasst, gepaart mit Demut vor der neuen Aufgabe. Seine erste Aufgabe Ende Mai: Wahlplakate entfernen. „Gehört unbedingt auch dazu.“

Seither dauere jeder Einkauf, jede Bewegung in der Stadt deutlich länger. Die Bürger würden schon jetzt ihre Wünsche, Erwartungen und Hoffnungen an ihn als künftigen OB richten. Er fiebere mit großer Freude seinem Dienstantritt entgegen.

Ein wenig traurig sei er schon, dass er die Stichwahl nicht gewonnen habe, sagt SPD-Kandidat Dr. Niels Weller. Aber gefrustet sei er nicht. Der ganze Wahlkampf in Wilhelmshaven sei eine Bereicherung für sein Leben gewesen. Er habe in einem sehr fairen Wahlkampf tolle Menschen und spannende Einrichtungen kennen gelernt. Auch wenn etliche Menschen ihm ihr Vertrauen geschenkt hätten: „Die Wahl habe ich vermutlich verloren, weil viele Wähler sich gesagt haben: Der neue OB muss ein Wilhelmshavener sein.“

Weller arbeitet in Bremen und engagiert sich kommunalpolitisch an seinem Wohnort Hude. Seine Stippvisite an der Jade wird möglicherweise dennoch Spuren hinterlassen. Derzeit arbeitet die Wilhelmshavener SPD sein Wahlkampfprogramm zu ihrem neuen Leitfaden um.

Für Ralf Seßelberg, erst sechs Wochen vor dem Wahltermin von der CDU als (Ersatz-)Kandidat nominiert, war der Stimmenanteil von nur 8,4 Prozent „natürlich enttäuschend“. Dennoch habe der Wahlkampf seine Wertschätzung für Wilhelmshaven „sehr positiv geprägt“, so der noch in Oldenburg lebende Unternehmer. Er sei aber aktiv auf der Suche nach einer Wohnung in Wilhelmshaven, inzwischen Mitglied des hiesigen CDU-Kreisverbandes und wolle sich „auf jeden Fall“ weiter kommunalpolitisch engagieren.

 

 

Dies ist ein Auszug. Den vollständigen Artikel lesen Sie in der "Wilhelmshavener Zeitung" von Dienstag, 20. August 2019. Erhältlich bei allen gängigen Verkaufsstellen und auch als epaper.