Wilhelmshaven

07.01.2019


Was auf dem Grund der Nordsee schlummert


Der erfahrene Sprengmeister Frank Mc Areavey hat vor der Küste ebenso Kampfmittel geräumt wie im Ausland nach Kriegen. Er fordert, endlich die Altlasten aus dem Meer vor unserer Tür zu bergen.


Geborgene Funde aus der Kabeltrasse für den Offshore-Windpark „Riffgat“: Munitionskisten und Granaten verschiedenster Kaliber liegen hier gesichert auf dem Deck eines Arbeitsschiffes   . Foto:    Mc Areavey/p

Geborgene Funde aus der Kabeltrasse für den Offshore-Windpark "Riffgat": Munitionskisten und Granaten verschiedenster Kaliber liegen hier gesichert auf dem Deck eines Arbeitsschiffes. Foto: Mc Areavey/p

 

Von Michael Halama

Wilhelmshaven - Strände voller Styropor- und Plastikverpackungen, Spielzeug und Flachbildschirme, dazu Bilder von zerbeulten Containern. Derzeit schaut alles auf die 270 Stahlboxen, die ein Containerschiff im Sturm vor der niederländischen und deutschen Küste verloren hat.

Die großen Kisten stellen eine Gefahr für die Schifffahrt dar, deren Inhalt zum Teil eine für Mensch und Umwelt.

Eine ungleich größere Gefahr lauert seit Jahrzehnten unter der Wasseroberfläche direkt vor unseren Küsten. Bis zu 1,3 Millionen Tonnen Munition, dazu etwa 90 Tonnen chemischer Kampfstoffe aus den beiden Weltkriegen liegen nach Einschätzung von Experten allein auf dem Grund der Nordsee. Einiges davon direkt vor unserer Haustür: Bekannte Verklappungsgebiete sind Hooksiel Plate und Minsener Oog, zudem gibt es in der Jade und vor Wangerooge einige munitionsbelastete Flächen.

Wilhelmshavener erinnern sich gewiss an den Fund und die Sprengung von britischen Kampfmitteln auf dem Jappensand im Jahr 2011. Und bei Minsener Oog läuft die aufwendige Suche und Räumung bzw. Sprengung von Munition seit geraumer Zeit.

Wie diese ungeheuren Mengen Kriegsaltlasten in die Nord- und Ostsee gelangt sind? „Die Versenkung im Meer bot sich damals als einfachste und sicherste Lösung an“, heißt es in der Antwort der niedersächsischen Landesregierung auf eine Anfrage von Abgeordneten „Wie viel Munition liegt noch in der Nordsee?“ aus dem Jahr 2016 (Drucksache 17/5753).

Einer, der von Berufswegen seit Jahrzehnten mit Kampfmitteln und deren Räumung zu tun hat, ist Sprengmeister Frank Mc Areavey. Der Wilhelmshavener hat zuletzt als Bauüberwacher für den Auftraggeber, den Netzbetreiber Tennet, an der Kampfmittelräumung für die Anbindung des Offshore-Windparks „Riffgat“ nordwestlich von Borkum teilgenommen. „Allein bei dieser Trasse, die direkt am bekannten Verklappungsgebiet Osterems vorbeiführt, wurden 4,8 Tonnen Munition aller Kaliber gefunden“, erzählt der Fachmann. „Dazu kamen noch zwei englische und eine deutsche Seemine aus dem Zweiten Weltkrieg.“ Bei der Bergung der Munition seien Unterwasserroboter eingesetzt worden - die Strömung dort habe keinen Tauchereinsatz zugelassen.

 

 

Dies ist ein Auszug. Den vollständigen Artikel lesen Sie in der "Wilhelmshavener Zeitung" von Montag, 7. Januar 2019. Erhältlich bei allen gängigen Verkaufsstellen und auch als epaper.