Wilhelmshaven

12.10.2018


Freitagsgespräch: "Wir dürfen Trump nicht unterschätzen"


Christoph von Marschall berichtete viele Jahre für den "Tagesspiegel" aus Washington. In einem Vortrag mit anschließender Diskussion zieht der Journalist ein erstes Fazit nach zwei Jahren Trump.


US-Präsident Donald Trump ist seit fast zwei Jahren im Amt. Ein paar Erfolge seiner politischen Agenda haben ihm mehr Rückhalt in seiner Partei verschafft, als seine Kritiker für gewöhnlich annehmen, so Christoph von Marschall.     DPA-Foto:    Walsh

US-Präsident Donald Trump ist seit fast zwei Jahren im Amt. Ein paar Erfolge seiner politischen Agenda haben ihm mehr Rückhalt in seiner Partei verschafft, als seine Kritiker für gewöhnlich annehmen, so Christoph von Marschall. DPA-Foto: Walsh

 

Von Sebastian Urbanczyk

WZ: Herr von Marschall, Sie waren eine Zeit lang der einzige deutsche Zeitungsjournalist, der Zugang zum Weißen Haus hatte. Wie sieht ihr Fazit nach zwei Jahren Donald Trump aus?

Christoph von Marschall: Wir dürfen Donald Trump nicht unterschätzen.

Er ist viel erfolgreicher, als die meisten es ihm zugetraut haben. Er hat zum Beispiel den umstrittenen Richter Kavanaugh im Senat durchgebracht. Und er hat die Korrekturen am nordamerikanischen Freihandelsabkommen mit Mexiko und Kanada erreicht. Diese Korrekturen begünstigen vor allem die amerikanische Auto- und Stahlindustrie sowie die amerikanischen Farmer. Das waren alles Wahlversprechen, über die man früher gelächelt hat. Diese Siege haben ihm mehr Rückhalt in seiner Partei verschafft, als seine Kritiker für gewöhnlich annehmen.

WZ: Das war ein innenpolitisches Fazit. Wenn wir aber auf Amerikas Bündnispartner schauen, wie sieht ihr Fazit da aus?

von Marschall: Ganz ähnlich. Auch wir in Europa neigen dazu, Donald Trump mit seinen Mitteln, wie er Politik macht, auch sehr erfolgreich macht, zu unterschätzen.Wir nehmen zum Beispiel an, dass es die Aufgabe eines Präsidenten sei, die unterschiedlichen Lager in seinem Land zusammenzuführen. Donald Trump allerdings ist ein Spalter, er hetzt die Lager gegeneinander auf. Wir haben in Deutschland und Europa noch keine Strategie gefunden, wie wir damit umgehen sollen.

WZ: Würden Sie diese Entwicklung in Amerika als gefährlich beurteilen?

von Marschall: In Teilen ja, aber nicht durch die Bank. Wir machen einen doppelten Fehler. Wir reden die Gefahren, die von ihm ausgehen, größer als sie eigentlich sind. In Teilaspekten ist sein Vorgehen sicher nicht gut für die Stabilität und Kompromissbereitschaft in der Welt. Auf der anderen Seite unterschätzen wir ihn eben. Niemand hat ernsthaft geglaubt, dass er sich gegen China in der Handelspolitik oder gegen Nordkorea in der Frage der atomaren Abrüstung durchsetzen kann. Wir müssen schon ohne Vorbehalte darauf schauen und seine Erfolge sehen. Und ich glaube auch, dass die Europäer es nicht schaffen werden, dass die Iranabkommen erhalten bleiben. Trump sitzt da am längeren Hebel.

 

 

Dies ist ein Auszug. Den vollständigen Artikel lesen Sie in der „Wilhelmshavener Zeitung“ von Freitag, 12. Oktober. Erhältlich bei allen gängigen Verkaufsstellen und auch als epaper.