Wilhelmshaven

06.10.2018


Gaffer-Videos beschlagnahmt


Die geretteten Bewohner sind laut Stadt zunächst in Notunterkünften untergebracht. Die Versorgung der Betroffenen ist gewährleistet.


Aus dieser Wohnung im Dachgeschoss des Hauses an der Peterstraße in Höhe Kieler Straße waren nach dem Brandausbruch die ersten Flammen zu sehen gewesen.     WZ-Fotos:    Gabriel-Jürgens

Aus dieser Wohnung im Dachgeschoss des Hauses an der Peterstraße in Höhe Kieler Straße waren nach dem Brandausbruch die ersten Flammen zu sehen gewesen. WZ-Fotos: Gabriel-Jürgens

 

Von Maik Michalski

Wilhelmshaven - Man stelle sich vor: Bewohner stehen aufgeregt am Fenster, ein paar Meter weiter schlagen Flammen aus dem Gebäude, und rufen um Hilfe - und werden dabei von Gaffern gefilmt, bevor die Bewohner von Rettungskräften evakuiert werden können.

So geschehen am Mittwochabend. Gegen 18 Uhr war eine große Rauchwolke über einem Mehrfamilienhaus an der Peterstraße zu sehen (die WZ berichtete). „Zahlreiche sogenannte Schaulustige haben die Rettungs- und Löscharbeiten massiv behindert“, sagte gestern Janina Schäfer, Pressesprecherin der Polizeiinspektion Wilhelmshaven/Friesland, auf Anfrage der WZ.

Den zwei Gaffern, 22 und 24 Jahre alt, die Bewohner filmten, die um Hilfe riefen, drohen strafrechtliche Konsequenzen. „Wir haben Ermittlungsverfahren nach Paragraf 201 1a des Strafgesetzbuches eingeleitet“, so Janina Schäfer. Danach werden Vergehen mit Gefängnis oder einer Geldbuße bestraft, wenn durch unbefugte Bildaufnahmen der höchstpersönliche Lebensbereich von hilflosen Personen verletzt worden ist. Dieser Paragraf wurde im Jahr 2015 neu gefasst - als Reaktion auf immer größere Auswüchse durch Gaffer. Die Polizeibeamten beschlagnahmten die Handys, sicherten und löschten die Dateien und gaben danach den Eigentümern ihre Geräte zurück.

Die 19 Personen, die sich zu dem Zeitpunkt in dem Haus aufhielten, konnten sich aufgrund des stark verrauchten Treppenhauses nicht selbst aus dem Haus retten und mussten von den Einsatzkräften über zwei Drehleitern evakuiert werden. Fünf Personen wurden mit einer Rauchgasvergiftung ins Klinikum gebracht, weitere Personen wurden vor Ort von Notarzt und Rettungsdienst versorgt und betreut. Rund 80 Einsatzkräfte von Berufsfeuerwehr, Rettungsdienst und Notarzt sowie Stadtbrandmeister und Ortsfeuerwehren Bant-Heppens und Rüstringen waren aktiv. Unterstützt wurden sie von der Polizei sowie dem DRK, Arbeiter-Samariter-Bund, Johanniter-Unfallhilfe und Malteser-Hilfsdienst. Die Peterstraße wurde zwischen Grenz- und Mozartstraße für die Dauer des Einsatzes für den Verkehr vollgesperrt. Gestern Morgen rollte der Verkehr aber entgegen einer späten Polizeimeldung wieder ohne Störung am Brandort vorbei.

Die Bewohner, die nicht bei Freunden oder Verwandten untergekommen sind, wurden in einer Notunterkunft untergebracht. Die Stadt hat nach eigenen Angaben organisiert, dass die Betroffenen mit dem Nötigsten versorgt werden: Lebensmitteln, Kleidung und Hygieneartikeln.

Brandermittler der Polizei waren am Freitag vor Ort und befragten Bewohner und Augenzeugen.