Friesland

13.04.2018


Bahnausbau: "Wer hier Erfolg hat, kann überall bauen"


Die erste von vier Bauphasen des Abschnitts 4 ist erledigt. Der frühere Meeresboden verlangt den Experten viel ab. Durch die Herausforderungen entsteht neues Wissen im Bahnbau.


Ein Rottenwarngerät weist die Bauarbeiter (hier in Ellserdammersiel) akustisch und optisch auf herannahende Züge hin. Die Bauarbeiten an der Strecke Sande und Varel  schreiten schneller voran als ursprünglich geplant.    WZ-Foto:    Gabriel-jürgens

Ein Rottenwarngerät weist die Bauarbeiter (hier in Ellserdammersiel) akustisch und optisch auf herannahende Züge hin. Die Bauarbeiten an der Strecke Sande und Varel schreiten schneller voran als ursprünglich geplant. WZ-Foto: Gabriel-Jürgens

 

Von Malte Kirchner

Sande/Ellenserdammersiel - Bahningenieure in der Schweiz genießen ein hohes Ansehen. In der hiesigen Tiefebene finden die Bauleistungen im Schienenbau hingegen beileibe nicht die Aufmerksamkeit und Anerkennung, wenngleich sie mindestens genauso imposant sind.

Deutlich wird dies bei den laufenden Bauarbeiten auf der Bahnstrecke Wilhelmshaven-Oldenburg. Der Neubau der Gleise zwischen Sande und Varel verlangt den Ausführenden ihr gesamtes Fachwissen ab. Nur im Gegensatz zu den Berglandschaften verbergen sich diese Höchstleistungen hier im Untergrund, der deutschlandweit als einmalig anspruchsvoll gilt.

„Wir bauen dort, wo früher das Meer war“, bringt es Oliver Niebling auf den Punkt. Der Ingenieur ist Abschnittsleiter für den Planfeststellungsabschnitt 4.1. Jüngst machten sein Team und die bauausführenden Firmen auf sich aufmerksam, als sie verkündeten, dass die Arbeiten deutlich schneller erledigt werden, als ursprünglich geplant. Der PFA 4 ist in vier Bauphasen gegliedert. Dreh- und Angelpunkt ist eine so genannte Überleitstelle namens „Schwarzer Rabe“. Die dortigen Weichen ermöglichen es, die Züge während der Bauphasen auf das jeweils freigegebene Gleis umzuleiten. Gebaut wird während der Woche bei laufendem Zugbetrieb. An den Wochenenden ist die Bahnstrecke gesperrt und es fahren im Personenverkehr Busse. In diesen Sperrphasen können die Baufirmen Arbeiten erledigen, die in das andere Gleis hineinragen.

Der weiche Boden ist die größte Herausforderung beim Ausbau. Ziel der Bauarbeiten ist es, die Bahnstrecke für eine deutliche Zunahme des Containerzugverkehrs durch den JadeWeserPort fit zu machen. Dafür wird die maximale Geschwindigkeit auf 120 km/h erhöht, die zulässige Achslast erhöht, neue Signalanlagen eingebaut und die Strecke schlussendlich elektrifiziert. Alleine der PFA 4 schlägt mit Kosten von knapp 100 Millionen Euro zu Buche.