Wilhelmshaven

09.03.2018


"Es geht um Machtinteressen"


Hubert Seipel gilt als intimster Putin-Kenner des Westens. In seinem Vortrag in der VHS gab er Einblicke in die Logik und Sichtweisen des russischen Präsidenten.


Hubert Seipel gab Einblicke in sein Buch „Putin - Innenansicht der Macht“.      WZ-Foto:    Gabriel-Jürgens

Hubert Seipel gab Einblicke in sein Buch "Putin - Innenansicht der Macht". WZ-Foto: Gabriel-Jürgens

 

Von Stephan Giesers
Wilhelmshaven - Das Licht im Saal der Volkshochschule ist gedimmt und vorne auf der Bühne sitzt Hubert Seipel an einem Tisch. Über seinem Kopf prangt das Cover seines Buches auf einer Leinwand: „Putin - Innenansichten der Macht.

“ Es zeigt den russischen Präsidenten mit ernster Miene, die Hände zusammengefaltet und nachdenklich ans Kinn gelehnt. Und ein wenig beschleicht einen beim Anblick das Gefühl, Putin könnte an diesem Abend im Hintergrund die Fäden ziehen.

Der Inbegriff des Bösen -für eine große Mehrheit der Menschen im Westen ist der russische Präsident genau das. Ein Staatschef und Strippenzieher, der selbst den Ausgang der Präsidentschaftswahlen in den USA beeinflussen konnte. Und der Präsident eines Landes, von dem aus Hacker die Bundesregierung attackieren, wie jüngst Medien berichteten. Eben solche Nachrichten sind es, die immer noch für einen Kalten Krieg im Kopf sorgen.

„Man muss Putins Interessen nicht teilen, aber man muss die Hintergründe kennen und einordnen“, sagt Seipel, der am Mittwochabend in der Reihe von VHS und „Wilhelmshavener Zeitung“ sein Buch vorstellte. Unter westlichen Journalisten gilt er als intimster Putin-Kenner. Gerade diese Nähe handelte ihm aber auch Kritik ein. „Ohne Nähe keine Informationen“, kontert Seipel knapp. Für die ARD führte er ein vielbeachtetes Fernsehinterview, drehte später eine Dokumentation über den Kreml-Chef. In seiner politischen Biografie beschreibt Seipel nun einen Staatsmann, der sich und sein Land vom Westen über den Tisch gezogen fühlt.