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30.04.2014


Was steckt hinter den "Montagsdemos"?


Sie treffen sich jeden Montag vor dem Rathaus oder auf dem Valoisplatz in Wilhelmshaven um „für den Frieden“ zu demonstrieren. Die Gründer der neuen Bewegung sind jedoch umstrittene Verschwörungstheoretiker aus Berlin mit rechtem Gedankengut. Ob das auch für die Wilhelmshavener Bewegung gilt, ist unklar.


Anja Sanchez Mengeler steht jeden Montag auf dem Valoisplatz oder dem Rathausplatz um zu demonstrieren. Ob die Mahnwache wirklich dem Frieden dient, ist jedoch strittig. WZ-Foto: Lübbe

Von Matthias Schwarzer

Wilhelmshaven - Ein bisschen unbeholfen steht die junge Frau auf dem Rathausplatz. Nicht viele Leute sind gekommen. „Ihr seid Helden, ihr dürft euch ruhig mal applaudieren“, ruft sie der kleinen Gruppe zu. Hier zu stehen sei nämlich „mutig“. Dann fängt die Gruppe an zu klatschen. „Wir halten die Stellung“, ruft einer.

Anja Sanchez Mengeler nimmt ihr Megafon zur Hand, hält eine Pappe mit „Peace-Zeichen“ nach oben und fängt an über den Frieden zu reden. Auch andere treten ans Mikrofon. Es geht um „die da oben“, die vermeintliche Manipulation durch die Medien und das Bankensystem als Ursprung allen Übels. Nach jedem Wortbeitrag tritt ein Kind aus der Gruppe zum Mikrofon, spricht eine Phrase zum Thema Frieden - „wir wollen keinen Frieden, wir fordern ihn“. Ob diese Mahnwache, die regelmäßig auf dem Valois­platz oder dem Rathausplatz stattfindet, wirklich nur dem Frieden dient, ist jedoch strittig.

Ihren Ursprung hat die neue „Montagsdemo“-Bewegung in Berlin. Mit der ebenfalls in Wilhelmshaven stattfindenden Montagsdemo „Weg mit dem Hartz IV“ auf der Rambla steht die Bewegung in keiner Verbindung. Ihre Berliner Gründer sind vielschichtig, schwer durchschaubar - doch sie alle vereint eins: Ihr Hang zu Verschwörungstheorien, Propaganda für verschiedenste verschwörungstheoretischen Bewegungen (zum Beispiel die „Truther“) und das Verkünden antisemitischer Bildsprache.

Als Gründer der neuen Montagsdemo-Bewegung, die seit vier Wochen in mehr als 20 Städten stattfindet, gilt Lars Mährholz aus Berlin. Ein Mann, der bis Ende März nicht politisch in Erscheinung getreten ist. Der 32-Jährige selbst bezeichnet sich in Interviews offiziell als "weder links noch rechts".

Auf seiner Facebook-Seite jedoch veröffentlichte Mährholz beispielsweise ein Foto, das die jüdische Familie Rothschild als Monster zeigt. Und in seinen Reden verbreitet der 32-Jährige immer wieder eine Theorie, die zugleich die Zentralaussage sämtlicher Montagsdemos ist: Die Federal Reserve (Fed), die amerikanische Notenbank, stecke hinter sämtlichen Kriegen der vergangenen 100 Jahre. In rechten Kreisen ist die Encodierung dieser Aussage lange bekannt und bedeutet nichts anderes als: Die jüdische Finanzkapital sei die Ursache allen Übels.

Die Soziologin und ehemalige Grünen-Politikerin Jutta Ditfurth war die erste, die Ende März auf antisemitische Bildsprache des Montagsdemo-Gründers Mährholz hinwies. Die neuen Rechten würden ihre antisemitischen Botschaften grundsätzlich verschlüsseln, erklärt sie in einem Interview mit dem Fernsehsender 3sat. „Man muss aber die Worte kennen“, so die Soziologin. Verschiedenste Parolen und Karikaturen auf den Seiten Mährholz' würden immer wieder auf den Vorwurf einer jüdischen Weltverschwörung hindeuten.

Ein weiter Drahtzieher der neuen Montagsdemos und zugleich Galionsfigur ist Ken Jebsen. Er war lange Jahre als Radiomoderator beim RBB tätig, wurde dann 2011 entlassen. Grund: Antisemitische Äußerungen. Hintergrund der Kündigung war eine Mail, die Jebsen nach einer Sendung an einen Hörer schrieb. Darin hieß es unter anderem: "Ich weiß, wer den Holocaust als PR erfunden hat“, wie der SPIEGEL damals berichtete. Jebsen führt seitdem seine Sendung mit dem Namen "KenFM" spendenfinanziert im Internet weiter, propagiert darin allerhand Verschwörungstheorien - zum Beispiel, dass die Tragödie des 11. September von den Amerikanern inszeniert worden sei. Bei einer Montagsdemo in Berlin hielt Jebsen unter lautem Beifall eine knapp einstündige Rede.

Der Dritte im Bunde ist Jürgen Elsässer, Chefredakteur des rechtskonservativen Compact-Magazins. Das Heft wird, zumindest in einigen Städten, während der Montagsdemonstrationen verteilt. Das Magazin steht unter anderem für rechte und homophobe Propaganda in der Kritik.

In anderen Städten finden die neuen Montagsdemos daher längst Gefallen bei rechten Gruppierungen und Parteien, wie beispielsweise der NPD. Und in Wilhelmshaven?

Die Organisatorin, Anja Sanchez Mengeler, stehe hinter den Theorien von Lars Mährholz und Ken Jebsen, erklärt sie im Gespräch mit der WZ. Mit Mährholz habe sie auch zweimal telefoniert. Bei jeder Demo liest sie ein Grußwort des Gründers vor. Im Gespräch betont Sanchez Mengeler jedoch, dass sie weder rechts- noch linkspolitisch eingestellt sei - die Demonstration sei eine Bewegung „aus der Mitte“.

Das Fed, das Federal-Reserve-System, hinter dem zwölf amerikanische Privatbanken stehen, spielt am „offenen Mikrofon“ in Wilhelmshaven eine untergeordnete Rolle. Diskutiert wird dort eher die vermeintliche „Medienhetze gegen Russland“, die Manipulation der Medien bzw. die gezielte Ablenkung durch die Medien. Ein Mann vermutet hinter der RTL-2-Sendung „Frauentausch“ beispielsweise eine lang geplante und gezielte „Massenverblödung“.

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