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Gestern und Heute

23.03.2013


Sturmfluten und Landgewinn


Zwei große Meeresbuchten drangen einst weit ins Wangerland vor. An Besiedlung und Bodenmerkmalen kann man den Verlauf des ehemaligen Küstensaumes erkennen.


Um 800 war der WangaGau nur eine schmale bedrohte Landzunge (links). Um 1362 waren die Landverluste im Jaderaum am größten, die Crildumer Buch allerdings verlandet (rechts). FOTOS: NIEDERSÄCHSISCHES INSTITUT FÜR HISTORISCHE KÜSTENFORSCHUNG

Von Hartmut Siefken

 

Wangerland - Wangerlands Geschichte ist die Geschichte des Kampfes mit dem Meer. Die platte, fast baumlose Landschaft, die manchem unkundigen Betrachter langweilig und eintönig erscheinen mag, hat der Küstenforschung in den vergangenen Jahrzehnten jedoch so manches spannende Geheimnis preisgegeben.

 

Die Historiker, Archäologen und Biologen des Niedersächsischen Instituts für historische Küstenforschung haben die Entwicklung dieses einzigartigen Natur- und Kulturraums in der Kombination verschiedener wissenschaftlicher Ansätze nachvollzogen. Der emeritierte Direktor des Instituts, Prof. Dr. Karl-Ernst Behre, hat erst jüngst die Geschichte der Landschaft um den Jadebusen in einem Buch veröffentlicht, das sich, leichtverständlich, an den an der Heimatgeschichte interessierten Laien wendet.

 

Zwischen 400 und 150 v. Chr. gab es, wie man also heute weiß, an der Nordseeküste infolge eines Meeresspiegelanstiegs eine starke Überflutungsphase. Damals hat es den Jadebusen noch nicht gegeben. Das Jade-Flüsschen, das die riesigen Moore zwischen dem Geestrücken der Friesischen Wehde und dem Uferwall der Weser entwässerte, mündete in etwa in Höhe des heutigen Wilhelmshavens in eine breite Bucht, deren Mündungstrichter von den Marschen am Rande des oldenburgisch-ostfriesischen Höhenrückens und desheutigen Butjadingerlandes begrenzt war.

 

In dieser Zeit rissen Sturmfluten die Mündungen der Bäche an der Westseite dieser Bucht auf; es entstanden die Maadebucht mit ihrem zehn Kilometer breiten Mündungstrichter, die sich südwestwärts bis nach Sande erstreckte, und die Crildumer Bucht zwischen dem heutigen Horumersiel und Hooksiel, die sich in zwei Ausläufern rund zehn Kilometer weit nach Westen erstreckte.

 

Diese Überflutungsphase endete um 150 v. Chr., und in den nächsten fast tausend Jahren änderte sich am Küstenverlauf nur wenig. Dann jedoch, gegen 800, entstand die Harlebucht am westlichen Rand des Wanga-Gaues. Ein Grund für ihre Entstehung könnte, so vermuten Prof. Behre und seine Kollegen, eine Ostverlagerung Wangerooges gewesen sein, wodurch sich die Strömungsverhältnisse bis zur Küste hin stark veränderten.

 

Sturmfluten wird sich dann eine neue Angriffsfläche geboten haben. Sie fraßen sich bis zum Geestrand bis zu 20 Kilometer nach Süden vor. Jever auf seinem Geestrücken befand sich damit schon auf der Halbinsel; der Wanga-Gau erstreckte sich als schmaler Landrücken nach Norden. Allerdings hatte der Einbruch der Harlebucht zur Folge, dass diejenigen Tiefs, die bislang dieses ehemalige Land nach Osten zur Crildumer Bucht hin entwässert hatten, nun natürlich nicht mehr dorthin flossen.

 

Weil ihre Spülwirkung ausblieb, verlandete die Crildumer Bucht recht schnell. Die Marschenbewohner sicherten sich den neuen Landzuwachs durch Deichbauten. Um 1300 war die Crildumer Bucht geschlossen. Zur See hin schützte fortan der Altendeich zwischen Pakens und St. Joost, der heute teilweise von der Landesstraße überbaut ist.

 

Doch auch der Harlebucht rangen die Menschen wieder viel Land ab, bis 1300 hatte man rund zehn Kilometer in Süd-Nord-Richtung an Grodenland wieder eindeichen können. Das 14. Jahrhundert jedoch machte diese Anstrengungen erneut zunichte. Mehrere große Sturmfluten, zuletzt die 2. Marcellusflut 1362, rissen sowohl die Harlebucht wieder bis an den Geestrand auf, richteten aber vor allem auch an der Mündung des Jade-Flüsschens enorme Landzerstörungen an.

 

Das Wasser räumte die riesigen Moore aus, der Jadebusen entstand, und das Meer fraß sich südlich vom Viertel Bant und Sande weit nach Westen; das Schwarze Brack ergoss sich bis an die Geestränder. Bockhorn, Zetel und Friedeburg konnten Häfen anlegen, am Gödenser Siel entstand später Neustadtgödens.

 

Der einst größte friesische Gau, Rüstringen, wurde zerteilt, für einige Zeit brach die Maade sogar bis zum Schwarzen Brack durch. Das Banter Viertel wurde zur Insel. Doch nun stellte sich an der Maade der gleiche Effekt wie zuvor an der Crildumer Bucht ein. Die Tiefs entwässerten jetzt zum Schwarzen Brack. Weil dadurch ihre Spülwirkung in der Maadebucht ausblieb, verlandete auch sie relativ schnell, und nur 120 Jahre später war sie verschwunden.

 

Die Wiedereindeichung der Harlebucht bis zur heutigen Hauptdeichlinie zog sich in mehreren Abschnitten im Wesentlichen bis ins 19. Jahrhundert hin.






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