Gestern und Heute

25.02.2013


Brunnen sprudelt für Brauer


Bestes Brunnenwasser sprudelt fürs Friesische. Diedrich König gründete das Unternehmen 1848.


Die  Brauerei  heute.        FOTO:    WZ-Bilddienst - Lübbe

Die Brauerei heute. FOTO: WZ-Bilddienst - Lübbe

Die  Brauerei  in den 50er-Jahren.  FOTO:    Archiv Andersen

Die Brauerei in den 50er-Jahren. FOTO: Archiv Andersen

 

 

Von Hartmut Siefken

Jever - International bekannt gemacht hat den Namen Jever die Brauerei des Städtchens. Dem Jeverländer stellen sich zwar die Nackenhaare hoch, wenn im Marketing-Sprech das W in der Namensmitte erklingt, doch möglicherweise hat es tatsächlich den Absatz, gewollt oder ungewollt, befördert.

Jever Pilsener ist eines der absatzstärksten Biere in der Republik, das Friesische Brauhaus das Flaggschiff unter den Brauereien der zum Oetker-Konzern gehörenden Brau- & Brunnen-Gruppe.

Gründungsjahr der Brauerei ist wahrscheinlich 1848. Der Gastwirt Diedrich König aus Loga in Ostfriesland, Sohn eines Deich- und Wegeaufsehers, braute zunächst in der Neuen Straße sein eigenes Bier, wie es damals viele Gastwirte taten, um sich schließlich ganz auf das Bierbrauen zu verlegen. Sein Sohn Diedrich König jun. übernahm das väterliche Erbe und baute 1855 an der Pferdegraft eine neue und größere Brauerei, um hier fortan das beliebte „bairische Lagerbier“ herzustellen.

Diedrich König verkaufte sein Unternehmen 1867 an August Heinrich Theodor Fetköter, der aus einer Gastwirtsfamilie aus Uslar an der Weser stammte und nach Jever einheiratete. Unter dem arbeitsamen Fetköter vergrößerte sich die Brauerei erheblich. Fetköter setzte auf Qualität, auch bei der Gestaltung der Flaschen, die mit dem Hauswappen versehen waren. Er warb in Anzeigen für sein „hochfeines Bier nach Pilsener Methode“ und baute den Fuhrpark aus. 40 Gespanne mit 80 Pferden brachten das Bier zu den Abnehmern im Jeverland, aber bald auch zu den Tausenden Hafenbauarbeitern an der Jade. Deren durstige Kehlen garantierten in jener Zeit auch den Absatz der Wilhelmshavener Aktienbrauerei in Heidmühle und der Accumer St.-Johanni-Privatbrauerei. Seit 1925 waren auch die ersten motorbetriebenen Lastwagen Fetköters unterwegs.

1880 stellte Fetköter seine Braustätte von Hand- auf Maschinenbetrieb umgestellt und baute ein Sudhaus, 1892 folgte ein eigenes Elektrizitätswerk, später kam ein Eiswerk hinzu. Nichtsdestoweniger „erntete“ man im Winter weiterhin Eis aus den Graften. Grundlage des Erfolges der jeverschen Brauerei aber ist ihr gutes Wasser. Dieses bezieht sie seit 1894 von einem betriebseigenen ergiebigen Brunnen in Siebetshaus, von wo eine dreieinhalb Kilometer lange Rohrleitung nach Jever verlegt wurden.

Der Geschäftsumfang der Brauerei war bis 1904 derart gewachsen, das Fetköter die Einzelfirma in eine GmbH umwandelte. Der Unternehmer starb 1908. Der Prokurist Gerhard Arends wurde zum Geschäftsführer bestellt. Später trat auch Fetköters Sohn Theodor jun. in die Geschäftsführung ein. Doch er starb 35-jährig 1916 den Soldatentod.

Der Erste Weltkrieg geriet für das Unternehmen zur Durststrecke. Der Mangel allenthalben erstreckte sich auch auf die Versorgung mit Braugerste. Viele Brauereien überstanden diese Zeit nicht. Zwar hatte die Fetköter-Brauerei kurz nach dem Krieg noch das Heidmühler Konkurrenzunternehmen übernommen, um sie dann stillzulegen, doch verkaufte die Familie ihr Unternehmen 1923 an die Bavaria- und St. Pauli-Brauerei in Hamburg. Unter deren Regie ging es stetig aufwärts, wurde kräftig investiert, passte man sich mit unterschiedlichen Bieren dem Geschmack der Kunden an. 1934 wurde unter der Anleitung des Braumeisters Ernst Böhme erstmals das heute so berühmte „Jever Pilsener“ gebraut.

Auch im Zweiten Weltkrieg und in den ersten Nachkriegsjahren hatte die Brauerei unter großem Energie- und Rohstoffmangel zu leiden. Mit der Währungsreform 1948 wuchsen wieder die Absatzchancen. Die Umsätze stiegen. 1950 beschäftigte die Brauerei bis zu 40 Mitarbeiter. 1951 begann sie, im größeren Maßstab Bier in Flaschen für den Verkauf im Handel abzufüllen, 1958 wurde die erste gebrauchte Abfüllanlage installiert. Heute werden in der mehrmals erweiterten und modernisierten Anlage bis zu 60 000 Flaschen stündlich abgefüllt.

Seit 1980 zählen die verspiegelten Gärtürme mit zu den Wahrzeichen der Stadt, 1984 stand auch der dritte. Auch die übrigen Produktionsanlagen wurden mit Millionenaufwand erweitert und modernisiert.

Fernsehwerbung und die Jever-Werbeikone Olivier de Bray stärkten die Marke, die heute international verbreitet ist.