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Wilhelmshaven

22.02.2012


Der Motorradclub "Red Devils" sieht sich als Opfer einer Hetzkampagne


Das „Netzwerk gegen Rechts“ lud zu einem Treffen ein. Die Mitglieder möchten enger mit der Stadt zusammenarbeiten.


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Wilhelmshaven/tin - Das „Netzwerk gegen Rechts“ wünscht sich künftig eine stärkere Zusammenarbeit mit der Stadt. Das sagte Dorothee Jürgensen, DGB-Gewerkschaftssekretärin in Wilhelmshaven. Die Stadt könne im Gegensatz zum Netzwerk beispielsweise Fördergelder beantragen, um die nötige Aufklärungsarbeit über rechtsradikale Strukturen ­finanzieren zu können.


Rund 30 Gäste, darunter viele Ratsvertreter, waren zu dem Treffen des Netzwerkes gekommen. Außerdem waren zwei Vertreter des Rockerclubs „Red Devils“ (Rote Teufel) anwesend. Sie wollten Berichten entgegentreten, dass fünf Neonazis den „Red Devils“ in Wilhelmshaven beigetreten seien. Die beiden ­Rocker stritten ab, Kontakte zur rechten Szene zu haben.

 

Es gebe hingegen Mitglieder, die eine rechte Vergangenheit haben, dieser Gesinnung aber inzwischen abgeschworen hätten, sagten sie. Der Motorradclub sieht sich als Opfer einer Hetzkampagne. Die Versammelten waren sich indes darüber einig, dass eine Resolution gegen Rechtsradikalismus, wie sie in der vergangenen Woche im Rat der Stadt von der Gruppe Grüne/WBV/Piraten beantragt und mit der Mehrheit von CDU und SPD verschoben wurde, nicht ausreiche.

 

Eine gewisse Spannung lag bei dem Treffen am Montagabend im DGB-Gewerkschaftshaus in der Luft. Nach einem Bericht in der aktuellen Ausgabe des „Gegenwind“, „wollten wir mal sehen, ob die Hetzkampagne gegen uns hier noch weitergehen soll“, sagte einer der beiden.

Das Blatt einer Bürgerinitiative hatte darüber berichtet, dass sich in Wilhelmshaven bekannte Rechtsradikale dem Motorradclub angeschlossen hätten, der sich vor rund eineinhalb Jahren in der Stadt niedergelassen hat.

 

Daraufhin forderte der Motorradclub eine Unterlassungsverpflichtungserklärung von den Verantwortlichen des Blattes. In der Versammlung stritten die Rocker jedoch zumindest bei zwei der im Artikel genannten Personen nicht ab, dass sie inzwischen zu den Rockern gehören. „Die haben aufgehört mit Rechts. Man muss denen doch eine Chance geben, neu anzufangen“, meinte einer der beiden. Und: „Seid doch froh, dass die bei uns sind. Wenn wir sie rausschmeißen, machen die mit dem rechten Kack weiter!“

 

Mit einem Handy filmte einer der „Roten Teufel“ die Versammlung, nahm auf, wer so alles zu dem Treffen gekommen war. Als er aufflog, forderte Tim Sommer vom Netzwerk die Männer auf, zu gehen. Die wollten sich aber rechtfertigen und stritten ab, gefilmt zu haben. Der Motorradclub habe mit der rechten Szene nichts zu tun, beteuerten die Rocker.

 

„Die Tendenz, dass sich die Rechte und die Motorradszene annähern, ist ein bundesweites Problem“, sagte Polizeisprecher Markus Wallenhorst. Dazu, ob das auch in Wilhelmshaven der Fall ist, machte er keine Angaben. Nur so viel: Die Polizei beobachte die ­Situation sehr genau.„Die neue Struktur in der Stadt nutzen die Rechten jetzt, um sich unter dem Deckmantel des Motorradclubs neu zu organisieren“, sagte Tim Sommer.

 

Für Unmut bei den Netzwerkern sorgte die kurzfristige Absage des Oberbürgermeisters Andreas Wagner (CDU). „Das verstehe ich nicht als Zeichen dafür, dass sich die Stadt gegen Rechts engagieren will“, sagte eine verärgerte Dorothee Jürgensen vom „Netzwerk gegen Rechts“.

Mehrere der rund 30 Anwesenden zeigten sich ebenfalls enttäuscht über Wagners Fehlen – gerade vor dem Hintergrund der vergangene Woche im Rat von den großen Parteien CDU und SPD aufgeschobenen Resolution gegen Rechtsextremismus in Wilhelmshaven.

 

Im Rat hatte der OB gesagt, sich zunächst beim Netzwerk über die Situation informieren zu wollen, um dann konkrete Schritte einleiten zu können. Das habe er nach wie vor vor, sagt er gestern gegenüber der WZ.

 

Mehr lesen Sie heute in der "Wilhelmshavener Zeitung".