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18.02.2012


Minister: Küstenschutz ist Daueraufgabe


Die zentrale Gedenkfeier des Landes Niedersachsen zum 50. Jahrestag der Sturmflut von 1962 fand in Wilhelmshaven statt. Für den Küstenschutz stehen das Land, der Bund und auch die EU in der Verantwortung. Diese Auffassung vertritt der niedersächsische Umweltministers Dr. Stefan Birkner (FDP).


Früsmer Ortgies (re.) informierte Umweltminister Dr. Stefan Birkner (FDP) über den Elisabethgrodendeich. WZ-FOTO: Lübbe

Von Norbert Czyz

Wilhelmshaven - Auf der zentralen Gedenkfeier des Landes Niedersachsen zum 50. Jahrestag der Sturmflut von 1962, bei der über 300 Menschen ums Leben kamen, haben der niedersächsische Minister für Umwelt und Klimaschutz sowie mehrere Redner gestern im Gorch-Fock-Haus den Küstenschutz als eine Daueraufgabe bezeichnet.

 

Eine Aufgabe, der sich das Land auch in Zukunft „mit den Menschen vor Ort, mit den Deichbänden und ehrenamtlichen Strukturen“ stellen will und für die Birkner auch künftig Landesmittel in Höhe von jährlich 60 bis 70 Millionen Euro in Aussicht stellte. Darüberhinaus sehe er den Bund und auch die EU in Verantwortung für den Küstenschutz.

 

Im Mittelpunkt der von Almut Kottwitz, der Leiterin der Abteilung Wasserwirtschaft/Umweltschutz im niedersächsischen Umweltministerium moderierten gemeinsamen Veranstaltung des Umweltministeriums und des Wasserverbandstages, stand das Referat von Prof. Dr. Hans von Storch, dem Leiter des Instituts für Küstenforschung des Helmholtz-Zentrums Geesthacht.

 

Prof. von Storch geht davon aus, dass sich der Meeresspiegelanstieg für die Intensität von Sturmfluten von größerer Bedeutung ist als die nicht zu erwartende deutliche Zunahme der Windstärken. Genaue Prognosen über den künftigen Meeresspiegelanstieg könne es jedoch nicht geben, weil über das Abschmelzen der Polkappen noch keine verlässlichen Messreihen existierten. Bekannt sei aber, dass der Meeresspiegelanstieg in der Deutschen Bucht in den letzten 100 Jahren „keine Beschleunigung“ erfahren habe. Storch: „Das Maß für die Stärke der Stürme wackelt, nimmt aber nicht zu.“

 

Küstenschutz und Katastrophenschutz seien heute wesentlich besser aufgestellt, so dass eine Katastrophe wie 1962 zwar „unwahrscheinlich, aber nicht unmöglich ist. Risikobewusstsein und Vorsorge tut not“. Erst ab 2030 rechnet von Storch bei ansteigendem Meeresspiegel von weiteren 30 Zentimetern mit der Notwendigkeit, im Küstenschutz auf die neuen Herausforderungen zu reagieren. Es sei bis dahin Zeit, über Optionen nachzudenken.

 

Der Klimaexperte riet zu einer Strategie der Flexibilität: „Machen sie keine Pläne, die festgeschrieben sind“. Eine Möglichkeit sei, die Deiche so zu bauen, „dass sie einen Meter drauf setzen können“. Von Storch sprach auch einen Aspekt an, den sein Vorredner Heiko Albers, der Präsident des Wasserverbandstages, erwähnt hatte und der möglicherweise der „Königsweg“ ist. Die Deiche so zu bauen, dass das Wasser zwar überschwappen kann, aber die Deiche nicht brechen. Dann müsse man jedoch hinnehmen, „kniehoch im Wasser zu stehen“ (Albers).

 

Diese Strategie würde aber in einer Stadt wie Wilhelmshaven entsprechende Bau- und Verhaltensweisen (von Storch scherzhaft: „Briefmarken nicht im Keller aufbewahren“) voraussetzen. Denn, bei mittlerem Hochwasser von 1,80 Meter über NN liege die Stadt 80 Zentimeter unter dem Pegel, wie Wilhelmshavens Bürgermeister Fritz Langen in seiner Begrüßung erwähnte.

 

In seinem deichgeschichtlichen Rück- und Ausblick kam er auch auf die Achillesferse der jadestädtischen Deichlinie, den Bereich in der Seeschleuse zu sprechen. Das zu beheben sei „auf einem guten Weg“. Langen vergaß auch nicht den III. Oldenburgischen Deichband lobend zu erwähnen, der „seine Pflichten vorbildlich erfüllt“.

 

Auf einzelne Probleme des Deichbaues ging Früsmer Ortgies, der Vorsteher des III. Deichbandes ein. Zum einen müsse der Küstenschutz und der Naturschutz in Einklang gebracht werden (Ortgies: „Wir können damit leben“). Andererseits sei - im Hinblick darauf, dass die Basisbreite der Deiche gegen 100 Meter tendiere - „sehr schwer, Grund und Boden zu erwerben“, denn die Preise hätten sich vervielfacht. Zum Status quo bemerkte Ortgies: „ Die Deiche sind sicherer als sie jemals waren.“


In seinem Schlusswort bekräftigte Umweltminister Birkner : „Der Schutz von Leib und Leben hat Vorrang“. Nach wie vor sei das Problem Sturmfluten „ganz real“.

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