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13.09.2011


Flugsimulation: Lichtblick am Horizont


Freunde des Microsoft Flight Simulators warten seit Jahren auf eine Fortsetzung. Für die Zwischenzeit empfiehlt sich ein Blick auf eine Open-Source-Alternative.


Blick in das Cockpit eines Flugzeugs in FlightGear. FOTO: FlightGear.org

Von Malte Kirchner

 

Wilhelmshaven - Es sind harte Zeiten für Freunde des Microsoft Flight Simulators. Die jüngste Version der Erfolgsserie ist mittlerweile fünf Jahre alt, was in der Technikwelt bekanntlich eine extrem lange Zeit ist.

Mittlerweile gibt es weitaus leistungsfähigere Prozessoren und Grafikkarten als noch im Jahre 2006, doch die erhoffte Fortsetzung, die von diesen Möglichkeiten Gebrauch machen könnte, lässt auf sich warten.

 

Vor zwei Jahren sah es gar so aus, als ob es überhaupt nicht mehr weitergehen würde. Microsoft schloss seinerzeit jenes Tochterunternehmen, das sich für die Simulatoren verantwortlich zeichnete. Mittlerweile gibt es einen kleinen Lichtblick. Unter dem Titel „Microsoft Flight“ soll in unbestimmter Zeit ein neuer Flugsimulator erscheinen. Erste Videos geben einen Vorgeschmack auf den Detailreichtum der Grafik. Microsoft kündigte an, dass mit dem neuen Titel die Simulation leichter zu bedienen sein soll.

 

Das geht möglicherweise zulasten des Realitätsgrads, für den der Flight Simulator jahrzehntelang gelobt wurde.Doch es gibt durchaus Alternativen für die Flugbesessenen. Neben der kommerziellen Simulation XPlane richtet sich der Blick vor allem auf FlightGear. Das Besondere an diesem Simulator, der in Versionen für Windows, Mac OS X und Linux vorliegt, ist, dass er komplett kostenlos heruntergeladen werden kann. Denn FlightGear ist Open-Source-Software.

 

Das heißt, dass jeder an der Software mitentwickeln kann. Sie wurde von Freiwilligen programmiert und soll jedem offen stehen.Wie bei anderen bekannten Open-Source-Lösungen wie dem Betriebssystem Linux, dem E-Mail-Client Thunderbird, der Bildbearbeitung GIMP oder dem Browser Firefox ist auch FlightGear dem Freak-Stadium längst entwachsen. Nach dem Herunterladen des Pakets, das einen halben Gigabyte groß ist, geht die Installation reibungslos vonstatten.

 

Auch der Aufruf der Simulation ist einfach. In einer übersichtlichen Oberfläche werden Flughafen und Flugfahrzeug ausgewählt. Prinzipiell kann es danach sofort losgehen. Es gibt aber natürlich noch weitere mögliche Einstellungen, wie die Tageszeit und das Wetter, die der Benutzer wahlweise verändern kann.Der Simulator selbst verlangt dem Nutzer dann aber doch etwas Einarbeitungszeit ab. Damit unterscheidet er sich allerdings nicht vom großen Vorbild, den mittlerweile fast dreißig Jahre alten Flight Simulator.

 

Der Unterschied ist nur, dass dem Anwender im Gegensatz zur kommerziellen Lösung weniger Hilfen an die Hand gegeben werden. Die grundsätzliche Kenntnis von Flugzeugen ist ein Muss, um voranzukommen. IFR, VFR und Klappen sollten keine Fremdwörter sein. Dementsprechend richtet sich Flight Gear eher an erfahrene Flight Simulator-Piloten. Doch aus deren Kreisen heraus ist die Software schließlich auch entstanden.


Die Entwicklung von FlightGear begann im Jahr 1996, als laut Entwickler Curtis Olson „ein paar junge, naive Flight Simulator Nutzer daran dachten, dass es eine gute Idee wäre, einen Open-Source-Simulator zu entwickeln.“ Motivation war vor allem die beschränkte Erweiterbarkeit des Flight Simulators. Für kaum eine Software gibt es so viele Addons wie für den Microsoft-Simulator. Neben neuen Flugzeugen und Landschaften gibt es bis ins letzte Detail nachgebaute Flughäfen zu kaufen.

 

In einige Bereiche können die „Modder“ jedoch nicht vorstoßen, weil Microsoft sie nicht freigegeben hat.1996 war an ein Ende der Flight Simulator-Ära noch nicht zu denken. Das Stocken der vergangenen Jahre und die massive Verbreitung des Internets haben FlightGear ordentlich Aufwind gegeben. Mittlerweile, so Olson, arbeitet ein internationales Team an dem Simulator, dem „große Namen“ der Simulatoren- und Flugbranche angehören. Erfahrene Piloten tragen dazu bei, den Realitätsgrad zu erhöhen.

 

Das hat dazu geführt, dass sogar die FAA – das amerikanische Pendant zum Luftfahrtbundesamt – FlightGear als Trainingssimulator anerkannt hat. Eine große Ehre für die Open-Source-Gemeinde, die jüngst erst eine neue Version fertiggestellt hat.Und wer dann auch mal abgehoben ist, stellt schnell fest, dass FlightGear zum Beispiel mögliche Turbulenzen beim Start weitaus realistischer darstellt als der in die Jahre gekommene Flight Simulator.

 

Was hingegen fehlt, ist die Atmosphäre rund um das Flugzeug. Im Einzelspielermodus gibt es keinen Sprechfunk und der Verkehr in der Luft und auf dem Boden sind überschaubar. Abhilfe verspricht der Multiplayer-Modus, in dem sich Piloten aus aller Welt online versammeln können.Aber vielleicht, und das ist das schöne bei Open-Source-Software, werden die Kritikpunkte irgendwann behoben.

 

Die Entwicklung von Open Source richtet sich glücklicherweise nicht nach wirtschaftlichen Interessen. Und das Beste: Künftige Updates wird es auch weiterhin kostenlos geben.