Wilhelmshaven

23.06.2011


Fachkräfte gesucht: Firmen hübschen sich an für Frauen


Der Fachkräftemangel sei in der Region angekommen, sagt Lutz Bauermeister, Hauptgeschäftsführer des Allgemeinen Wirtschaftsverbandes Wilhelmshaven-Friesland und beruft sich auf die Feststellung von 45 Prozent der dem AWV angeschlossenen Betriebe. 28 Prozent hätten Schwierigkeiten, Auszubildende zu finden.


Dr. Jutta Rump gehört laut Zeitschrift „Personalmagazin“ zu den  40 führenden Köpfen des Personalwesens.    WZ-FOTO:    Gabriel-Jürgens

Dr. Jutta Rump gehört laut Zeitschrift „Personalmagazin“ zu den 40 führenden Köpfen des Personalwesens. WZ-FOTO: Gabriel-Jürgens

Von Ursula Große Bockhorn

Wilhelmshaven - „Mit Frauen gegen Fachkräftemangel“ war das Thema eines Unternehmer-/Multiplikatorenworkshops, zu dem Werner Sabisch, Geschäftsführer der Volkshochschule Wilhelmshaven, überwiegend weibliche Teilnehmer willkommen hieß.

Die Arbeitgeberverbände wollten bis 2030 den Frauenanteil an den Erwerbstätigen auf 70 Prozent erhöhen, ergänzte Bauermeister in seiner Ansprache zur Begrüßung.

 

„Wir können es uns nicht leisten, auf die Hälfte des Potenzials zu verzichten“, ist die Position von Dr. Jutta Rump, Professorin für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre mit Schwerpunkt Internationales Personalmanagement in Ludwigshafen, die das Impulsreferat hielt - Thema „Megatrend Frauen: Notwendigkeit oder Modeerscheinung?“

Der Fachkräfteengpass habe durch die Wirtschaftskrise zugenommen, da Unternehmen versucht hätten, durch erhöhte Qualität ihre Wettbewerbsfähigkeit zu halten. Dem steigenden Bedarf stehe ein sinkendes Potenzial gegenüber.

Allerdings sei der Arbeitsmarkt gespalten. Der Fachkräftemangel konzentriere sich auf den MINT-(Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft, Technik)-Bereich, auf Vertrieb, Logistik, Wissensvermittlung, Gesundheitswesen, Kinderbetreuung und Altenpflege. Und es sei ein Problem des Mittelstands.

 

Für die Antwort „Notwendigkeit“ sprechen nach Darstellung der Professorin auch die Änderungen im Arbeits- und Unterhaltsrecht. Sie sieht einen zunehmenden Wettbewerb um Arbeitskräfte, für den sich Unternehmen schon jetzt „anhübschen“.

Frauen haben häufig bessere Schul- Hochschul- und Ausbildungsabschlüsse, gehen auf dem Weg nach oben aber verloren, so die Referentin. Gründe dafür sieht sie einige: Laufbahnen werden festgelegt im Alter zwischen 30 und 40, der „Rush-Hour des Lebens“, die mit der Familienphase zusammenfällt. Die Unternehmenskultur sei häufig durch Stereotype gekennzeichnet, die zu Lasten von Frauen gingen. Und auch das weit verbreitete Führungsverständnis wirke sich zu ihrem Nachteil aus: Frauen würden als „machtgeil“ abgestempelt, während ein Mann als „führungsstark“ durchgehe.

 

Sie sprach sich für eine Frauenquote von 25 bis 30 Prozent aus, die Qualifikation müsse aber stimmen. Karrieren müssten im übrigen nicht binnen 20 Jahren gemacht werden. Und bei 80 Prozent aller Arbeitsplätze sei eine Flexibilisierung der Abläufe und Zeiten möglich, erklärte Rump, die zugleich eine Diskriminierung der aktiven Väter feststellte. Im Gegenzug werde auch von den Arbeitnehmern Beweglichkeit und Engagement verlangt. Um nicht den Anschluss zu verpassen, wäre die Teilnahme an Mentoring- und Kontakthalteprogrammen sinnvoll.