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WZ-GartenZeit - Ausgabe 7

Seite 9 Freitag, 19. Mai 2017 Blütensaum statt kahler Stellen BONN/GMH/BDS – Sie ziehen die Blicke auf sich – lassen sie aber nicht durch: Dichte, gut geschnittene Hecken bieten nicht nur zuverlässigen Sichtschutz, sie können auch gestalterisch wertvolle Gartenelemente sein. „Hecken eignen sich sehr gut, um den Garten zu gliedern. Gleichzeitig bilden sie eine ruhige Kulisse, vor der abwechslungsreiche Staudenrabatten umso besser zur Wirkung kommen. Hecken und vorgelagerte Beeten sind daher wie füreinander geschaffen, zumal sich der Übergang vom Gehölz zur Freifläche auch in der Natur nicht abrupt, sondern allmählich vollzieht,“ erklärt einer, der es wissen muss: Michael Moll, Staudengärtnermeister und Gartenplaner. Moll kennt beides, Hecke- Beet-Kombinationen, die von vornherein als solche geplant wurden, und Fälle, in denen ein Blütensaum erst nachträglich angelegt wurde, als Erste-Hilfe-Maßnahme sozusagen. „Denn ein Problem, auf das man bei Hecken immer wieder trifft, sind Pflanzen, die im unteren Bereich verkahlen. Die Ursache ist meist Lichtmangel, entweder, weil der Standort generell sehr dunkel ist oder weil die Hecke falsch geschnitten wurde.“ So oder so, optisch leiden Hecke und Gartenbesitzer oft sehr unter den grünen Geheimratsecken, die sich, einmal vorhanden, nur im Ausnahmefall wieder schließen. Im Gegensatz zur lückigen Haarpracht gibt es für kahle Stellen in der Hecke jedoch ebenso simple wie attraktive Problemlöser: Ein Blütensaum aus Stauden verdeckt nicht nur unschöne Stellen, sondern wertet die Gartensituation als Ganzes auf. „Vorausgesetzt natürlich, die Pflanzen passen zur Hecke und zum Standort. Sowohl die Hecke als auch die Stauden dürfen sich gegenseitig nicht zu sehr Konkurrenz machen“, sagt Michael Moll. „Die Staudenwahl hängt unter anderem davon ab, wie viel Platz vor der Hecke zur Verfügung steht. Ist es nur ein schmaler Streifen, wird man sich auf wenige Arten beschränken, die zudem nicht über die kahlen Stellen hinauswachsen sollten, sonst kahlen die Gehölze weiter auf.“ Rein optisch gesehen, sind von elegant bis natürlich alle Spielarten denkbar. „Vor Eibenhecken mit ihrer ebenmäßigen Struktur und dem satten, dunklen Grün bieten sich plakative Pflanzen an. Wenn nur wenig Platz zur Verfügung steht, könnte das ein Streifen mit Purpurglöckchen sein, mit Gräsern oder auch mit der kompakten Frauenmantel-Art Alchemilla epipsila.“ Weitaus lieber ist es dem Pflanzenfan natürlich, wenn er die vorgelagerte Fläche in ein richtiges Staudenbeet verwandeln darf. Mit ein bisschen Abstand zur Hecke kommen dann nämlich auch größere Arten zum Einsatz und bringen entsprechend Abwechslung in die Höhengestaltung. „Bei einer Hainbuchenhecke mit 50-60 cm Platz nach vorne beispielsweise kann man schon eine naturnahe Gestaltung angehen, etwa mit himmelblau blühendem Kaukasusvergissmeinnicht, Elfenblumen, Funkien und natürlich Bergenien, der Staude des Jahres 2017. Zwiebelblumen unterstützen den Frühjahrsaspekt.“ Auf diese Weise wird aus einem Gartenärgernis eine ganzjährig schöne Gartenattraktion. Eine Grundvoraussetzung, damit sich die neuen Pflanzen gut entwickeln, ist eine gründliche Bodenvorbereitung. „Das bedeutet: Neben der Hecke muss der Boden spatentief umgegraben und gelockert werden. Keine Angst, die Hecke gleicht den Verlust an Feinwurzeln anschließend wieder aus.“ Zur Bodenverbesserung empfiehlt Moll außerdem, humushaltiges Pflanzsubstrat in die Erde einzuarbeiten. „Außerdem sollte man die Vorpflanzung natürlich wie jedes Staudenbeet im Frühjahr mit Kompost oder einem Mehrnährstoffdünger versorgen und bei Trockenheit wässern. Wer sich Arbeit sparen möchte, verlegt zwischen den beiden einen einfachen Tropfbewässerungsschlauch. “ Gräserfontänen des Blaustrahl-Wiesenhafer und violett blühende Katzenminze vor einer Eibenhecke. FOTO: GMH


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